Die Südzentrale – Teil 2

Skulptur erinnert an Südzentrale und Wilhelmshavens Baukultur

Das Grundstück des ehemaligen Kraftwerks Südzentrale am Fuß der Kaiser-Wilhelm-Brücke in Wilhelmshaven wurde jetzt im Februar 2025 plötzlich an ein Unternehmen verkauft – ohne das Vorkaufsrecht der Stadt Wilhelmshaven oder anderslautende Beschlüsse des Rates der Stadt zu beachten (siehe WZ vom 19.02.2025 hier https://www.nwzonline.de/wilhelmshaven/rat-ist-empoert-grundstueck-der-suedzentrale-in-wilhelmshaven-ueberraschend-verkauft_a_4,1,4070889881.html#). Noch im letzten Jahr (2024) gab es eigentlich andere Pläne für das Grundstück. Ein Investor wollte ein Hotel bauen, der Stadtrat hatte das auch schon beschlossen. Letztlich scheiterte das Projekt an eben jenem Vorkaufsrecht, auf das die Stadt nicht bereit war zu verzichten. Zu den Hintergründen recherchierten Studierende des Studiengangs „Medienwirtschaft und Journalismus“ im Rahmen einer Lehrveranstaltung im Wintersemester 2024 bei Prof. Dr. Andrea Czepek. Die Recherche-Ergebnisse der Studierenden können Sie hier nachlesen (Stand: Januar 2025).

Von Greta Aye, Gina Janssen und Letje Malle
aus dem Modul Schwerpunkt 2 Journalismus (Investigative Recherche)

Im Jahr 2020, sechs Jahre nach dem Abriss, schenkte der “Verein zum Erhalt Wilhelmshavener Baukultur” der Stadt eine besondere Skulptur, die an die abgerissene Südzentrale und das besondere Engagement für deren Erhalt erinnern soll. Das Kunstwerk des Vareler Künstlers Diedel Klöver besteht aus Metallresten des historischen Kraftwerks und verbindet symbolisch Vergangenheit und Erinnerung. Die Skulptur würdigt nicht nur das ehemalige kaiserliche Kraftwerk, sondern auch das Engagement derer, die sich jahrelang für den Erhalt des Baudenkmals eingesetzt haben. Bis heute erinnert die Skulptur als sichtbares Zeichen an die Bedeutung der Baukultur in Wilhelmshaven.

Diese sichtbare Würdigung des Gebäudes steht in starken Gegensatz zum jahrelangen Stillstand und der ungewissen Zukunft der ehemaligen Südzentrale. 

Ein neuer Beginn?

Nach jahrelanger Ungewissheit und wechselnden Plänen schien das Schicksal des Geländes der ehemaligen Südzentrale in Wilhelmshaven endlich eine konkrete Wendung zu nehmen. Einst ein Wahrzeichen der Stadt und ein wichtiger Energieversorger, geriet das alte Industriegelände nach Abriss des Kraftwerks immer mehr in Vergessenheit. Verfallene Mauern, eingestürzte Dächer und verrostete Relikte der Industriegeschichte – so präsentierte sich die Südzentrale den Passanten, die auf der Kaiser-Wilhelm-Brücke über die trübe Zukunft der Fläche spekulierten.

Gescheiterte Pläne: Stadthalle auf dem Südzentrale-Gelände bleibt nur eine Vision

Doch hinter den Kulissen schien ein Silberstreif am Horizont: eine neue Stadthalle für Wilhelmshaven, auf dem Gelände der ehemaligen Südzentrale. Schnell zeigte sich: Das Vorhaben war ambitionierter als erwartet. 

Die jahrzehntelange Nutzung als Kraftwerksstandort hatte Spuren hinterlassen, die Beseitigung der Altlasten nach dem Abriss schien ein kostspieliges und langwieriges Unterfangen zu werden. Experten warnten zudem, dass die Verkehrsanbindungen nicht ausreiche, um die Halle für Bürger und Besucher attraktiv zu machen. Nach intensiven Diskussionen beschloss der Stadtrat schließlich, die Pläne für eine Stadthalle an diesem Standort aufzugeben. Damit kehrte vorerst wieder Ruhe auf dem Gelände ein – eine Ruhe, die viele bereits als endgültiges Aus für das Areal interpretierten.

 
Detailansicht der Südzentrale mit Schriftzug
Ausgeträumt: Die Pläne für eine Stadthalle auf dem Areal der Südzentrale wurden nie verwirklicht (Bild: Verein zum Erhalt der Südzentrale e.V.)

Ein neues Kapitel: Südzentrale als touristisches Zentrum?

Doch das Jahr 2022 brachte eine erneute Wende. Wilhelmshaven, als Stadt mit maritimem Charme und historischer Bedeutung, beschloss, den Fokus auf den Tourismus zu stärken. Grundlage dazu war eine Tourismusstudie, die 2016 gemeinsam von der Wilhelmshavener Touristik & Freizeit GmbH und der Jade Hochschule Wilhelmshaven erarbeitet wurde.

Der neue Plan sah vor, die Südzentrale in ein touristisches Zentrum umzuwandeln – eine Idee, die den Zeitgeist traf, Investoren anlockte und mehr touristische Übernachtungen sowie Umsatz in die Stadt bringen sollte. Ziel war es zudem, das Übernachtungsangebot in Wilhelmshaven zu erweitern und gleichzeitig die Hafenpromenade um attraktive Freizeit- und Naherholungsangebote zu bereichern. 

Es waren zwei Hotels geplant. Zum einen ein modernes “Streetart”-Hotel im 2-Sterne-Segment für junge und preisbewusste Reisende sowie ein luxuriöses 5-Sterne-Haus, das Wilhelmshaven als Ziel für anspruchsvolle Gäste aufwerten sollte. 

Da die vorhandenen Hotels in der Vergangenheit nur über ca. 50 Zimmer verfügten, war es von besonderem Interesse, deutlich größere Unterkünfte zu schaffen. Daher waren die Hotels mit einer Kapazität von 400 bis 500 Zimmern, Suiten und Studios geplant, um auch größeren Reisegruppen gerecht werden zu können. Ergänzt werden sollten die Hotels durch ein Parkhaus für externe Besucher sowie eine exklusive Tiefgarage für die Hotelgäste. Dabei legten die Planer großen Wert auf Nachhaltigkeit. Das Parkhaus sollte begrünt und der Innenhof mit ortstypischen Bäumen und Pflanzen gestaltet werden. 

Die Aussicht auf ein neues Kapitel der Südzentrale weckte bei den Wilhelmshavenern Neugier, ein Investor war gefunden, die Finanzierungsfragen waren geklärt, und die Baupläne wurden unter Hochdruck vorbereitet. 

Im März 2022 war es dann endlich so weit. Die JadeProjekt GmbH legte der Stadt Wilhelmshaven ein durchdachtes Konzept vor, welches nicht nur finanziell tragfähig war, sondern sich auch nahtlos in das Sanierungskonzept für die östliche Südstadt, das Tourismuskonzept der Stadt und die bestehende Gewerbesituation am Hafen einfügte. 

Am 31. Mai 2022 dann der entscheidende Moment: Der Stadtrat gab grünes Licht für das Projekt. Anwohner und Medienvertreter verfolgen die Verkündung des Ratsbeschlusses, der nun die Grundlage für die Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Investor bilden sollte. Es schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die ersten Bagger rollen würden und die Transformation der Südzentrale von einer verfallenen Industrieruine zu einem modernen Tourismusstandort beginnen konnte. 

Noch standen einige bürokratische Hürden und Vertragsmodalitäten aus, doch die Vision einer neuen Zukunft auf dem historischen Gelände nahm Gestalt an. Ein neues Kapitel in der Geschichte von Wilhelmshaven und ein Hoffnungsschimmer für das Gelände der ehemaligen Südzentrale.

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