Einfach anfangen: Der Weg in den Para-Sport

Von Lena Kramer

aus dem Modul Fachjournalismus

Vom Reiten bis zum Sledge-Eishockey: In der Region gibt es mehr Para-Sport-Angebote, als viele denken. Dieser Guide zeigt, wie der Einstieg gelingt.

Sledge Eishockeyspieler auf dem Eis. I Foto: Weserstars Bremen

Für viele Menschen mit Behinderung beginnt der Weg in den Sport nicht bei der Motivation, sondern mit Fragen wie:

Wo fange ich an?

Wo kann ich das ausprobieren?

Und wer hilft mir am Anfang?

Dieser Ratgeber lässt die Theorie hinter sich. Er zeigt konkrete Einstiegswege in den Para-Sport in Wilhelmshaven und der Umgebung auf und nennt Anlaufstellen, Angebote und Unterstützung. Denn die Region hat für viele Interessierte etwas zu bieten.

„Egal, ob männlich oder weiblich, jung oder alt… auf der internationalen Ebene können alle mitmachen.”

Ein Türöffner für den Einstieg

Viele zögern, den ersten Schritt in einen Verein zu wagen, weil Unterstützung beim Weg oder in der Umkleide fehlt. In Wilhelmshaven gibt es dafür eine konkrete Lösung, die oft übersehen wird: Freizeitassistent_innen. Über den Fachbereich Soziales (Eingliederungshilfe) der Stadt Wilhelmshaven können Assistent_innen beantragt werden, die Menschen mit Behinderung zu Sport- und Freizeitaktivitäten begleiten. So wird aus Unsicherheit ein machbarer erster Schritt.

Tipp: Melden Sie sich frühzeitig bei der Eingliederungshilfe, damit die Unterstützung rechtzeitig organisiert werden kann.

Welcher Sport passt zu mir? Eine Orientierungshilfe

Laut dem Handbuch des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) hängt die Wahl der Sportart oft weniger von körperlichen Voraussetzungen ab als von den eigenen Interessen und Vorlieben. Basierend auf den Empfehlungen des DBS und Erfahrungen von Aktiven und Fachleuten aus der Region lassen sich die Angebote in Wilhelmshaven und Umgebung in drei Kategorien unterteilen: Präzisionssportarten, Wassersportarten, Teamsportarten.

Auf einem Notizbuch liegt ein gelber Stift, daneben ist eine Glühbirne aus Kreide gezeichnet. Designed by Freepick
Hilfreiche Tipps und erste Schritte für den Weg in den Parasport (Foto: Designed by Freepik)
Ein Mann sitzt im Rollstuhl und spielt Basketball. Er ist auf einem Sportplatz. Designed by Freepik
Rollstuhl-Basketball ist nur ein Beispiel für die vielen dynamischen Sportarten, die einem offenstehen. (Foto: Designed by Freepik)

1. Fokus und Ruhe im Präzisionssport

Nicht jede Person sucht das Auspowern. Wer Struktur mag und mentale Stärke trainieren will, ist bei Sportarten mit festen Abläufen genau richtig.

Darts, Bogensport & Sportschießen: Diese Disziplinen fördern laut DBS vor allem Konzentration und Rumpfstabilität. Weil die Bewegungen eher ruhig und kontrolliert ablaufen, ist ein Einstieg oft auch mit Mobilitätseinschränkungen möglich. In Wilhelmshaven und Umgebung bietet die GPS entsprechende Angebote, außerdem ermöglicht der Schützenverein Etzhorn verschiedene Schießsportarten auch als angepasste Para-Sportarten.

2. Sport am und im Wasser

Wasser ist für viele ein idealer Einstieg, weil es den Körper entlastet und Bewegungen leichter macht. Durch die Lage am Wasser stehen in der Region vergleichsweise viele Möglichkeiten zur Verfügung.

Schwimmen: Die GPS Wilhelmshaven bietet Schwimmgruppen in Schortens und Wilhelmshaven an. Die Wilhelmshavener Gruppe ist auch für Anfänger_innen und Rollstuhlnutzer_innen geeignet.

Wassersport am Banter See: Heinz Ehlers leitet das Inklusive Wassersportzentrum Wilhelmshaven. Sein Motto: „Es geht nicht alles, aber es geht nie nichts!“ Das Zentrum ist inklusiver Ausbildungsstützpunkt des Deutschen Kanu-Verbands und bietet noch viele weitere Wassersportarten wie Kajak, Segeln oder SUP an.

Drachenboot: Wer Paddelsport in der Gruppe ausprobieren will, kann am Banter See ins Drachenboot (GPS und Lebenshilfe) einsteigen.

3. Teamgeist und Vielfalt

Hier stehen das Miteinander und gemeinsame Erfolgsmomente im Vordergrund – mal rasant, mal gesellig.

Rollstuhl-Basketball: Der RSC Oldenburg beweist, dass Basketball weit mehr ist als nur Körbewerfen.Schnelligkeit, Kraft und taktisches Verständnis sind hier entscheidend.

Sledge-Eishockey: Wer Tempo und Action sucht, ist beim Sledge-Eishockey bei den Weserstars Bremen richtig. „Bei uns wird Inklusion ganz großgeschrieben. Denn bei uns werden auch nicht behinderte Menschen inkludiert“, betont Diana Bentzen von den Weserstars Bremen mit einem Augenzwinkern.

Was ist Sledge-Eishockey? Para-Eishockey wird im Sitzen in einem Schlitten (Sledge) gespielt. Dieser Schlitten besteht aus einer Sitzschale, die auf einem Gestell montiert ist. Direkt unter der Sitzschale sind zwei Kufen montiert, die in der Breite verstellt werden können, je nachdem, wie es mit dem Gleichgewicht funktioniert. Im Gegensatz zum „Fußgänger-Eishockey“ hat der Spieler zwei Schläger, die an den Enden mit Spikes ausgestattet sind. Die Schläger sind viel kürzer als „normale“ Eishockeyschläger und dienen nicht nur der Puckführung, sondern auch zur Fortbewegung. „Dafür stößt man die Spikes ins Eis und drückt sich ab. Die Armbewegung ähnelt der des Ski-Langlaufs“, erklärt  Diana Bentzen von den Weserstars Bremen.

Lebenshilfe Wilhelmshaven/Friesland e.V.: Wer gern verschiedene Sportarten ausprobieren möchte, findet hier mehrere Gruppensportangebote mit leichtem Einstieg.

  • Fußball: Bei den „Inselkickern Wilhelmshaven“ spielen Kinder, Jugendliche, Erwachsene gemeinsam Fußball.

  • Geselligkeit: In Wilhelmshaven und Schortens treffen sich Jugendliche und Erwachsene zum Kegeln oder Bowling, um in der Gruppe aktiv zu sein und gemeinsam Spaß zu haben.

  • Tiere: In der Reitgruppe „Alles rund ums Pferd“ auf dem „Pferdehof Miteinander lernen Teilnehmer_innen den Umgang mit Pferden. Wer möchte, darf auch reiten.

In 3 Schritten zum Start

Schritt Was Sie tun können Wo Sie starten können
1. Angebote finden Nicht nur Vereinsseiten checken, sondern große Träger nutzen. GPS und Lebenshilfe
2. Unterstützung klären Assistenz für Weg, Umkleide und Ablauf organisieren. Stadt Wilhelmshaven (Eingliederungshilfe)
3. Unverbindlich testen Schnuppertraining vereinbaren. Vereine und Gruppen in der Region

Weiterführende Informationen und Quellen

Deutscher Behindertensportverband (DBS):

„Handbuch Behindertensport“ mit Informationen zu Klassifizierungen und Regelwerken unter www.dbs-npc.de

Behinderten- und Rehabilitationssportverband Niedersachsen (BSN):

Landesweite Vereinssuche und Veranstaltungskalender für Niedersachsen unter www.bsn-ev.de 

GPS Wilhelmshaven:

Übersicht der Sportangebote unter www.gemeinsam-unterstuetzen.de

Lebenshilfe Wilhelmshaven/Friesland e.V.: 

Aktuelles Programmheft und weitere Informationen unter www.lebenshilfe-whv-fri.de 

Stadt Wilhelmshaven: 

Informationen zu Freizeitassistent:innen beim Fachbereich Soziales (Eingliederungshilfe)

Para-Sportarten-Finder: 

Erklärvideos und interaktives Tool zur Sportsuche unter www.parasport.de 

Möchten Sie sehen, wie der Alltag im Parasport in der Praxis aussieht? Unsere Studentin Lena Kramer hat zwei Athleten begleitet, die zeigen, dass Leidenschaft und Ausdauer keine Grenzen kennen.

Lesen Sie auch: Spitzensport nach Feierabend