True-Crime-Podcasts gehören zu den meistgehörten Audioformaten unserer Zeit. Doch wo verläuft die Grenze zwischen Information, journalistischer Verantwortung und Sensationalismus? MWJ-Absolventin Lea Joline Prawit hat für ihre Bachelorarbeit unter dem Titel „True-Crime-Podcasts – Zwischen Information und Sensationalismus“ einen knapp 40-minütigen Podcast produziert. Analysiert werden die Podcasts „Mordlust“, „Mord auf Ex“ und „Crime Time“ im Hinblick auf journalistische Qualität, ethische Verantwortung und Wirkungsweisen. Ergänzt wird die Analyse durch Experteninterviews und Umfrageergebnisse.
„True Crime ist etwas, was mich spätestens seit der Pandemie verfolgt und zugleich fasziniert hat. Angefangen hat es dort, wo es auch geendet ist: Mit dem Podcast ,Mordlust’“, erzählt Lea. Lange hat sie diesen verfolgt, doch als sie anfing, selbst Journalismus zu studieren, wurde sie stutzig. Wie vertretbar ist es eigentlich, mit dem Leid anderer Geld zu verdienen?
Schon während ihres Praxissemesters wollte die Studentin das Thema True Crime aufgreifen, doch damals fehlte ihr der genaue Bezug. Die Bachelorarbeit war nun der perfekte Grund, ihr Interesse zu vertiefen. „Dazu kam meine Leidenschaft für auditive Medien; Radio und Podcasts. Schnell war mir also klar, dass ich selbst einen Podcast machen möchte, um genau diese zu analysieren“, so Lea. Eine große Hilfe war ihr ihre ältere Schwester, die zu dem Zeitpunkt Jura studierte und mittlerweile Juristin geworden ist. „Sie hat mir mit unseren Diskussionen immer eine neue Sichtweise auf die Dinge gegeben. Am Ende war sie auch der Grund, warum ich den juristischen Aspekt überhaupt eingebaut habe.“
Einige Herausforderungen gab es dennoch zu bewältigen, allen voran die Interviewpartner-Suche: „Ich wollte ursprünglich die Macherinnen von Mordlust sprechen, doch das fiel schnell ins Wasser. Nachdem Dutzende weitere Absagen in meine Inbox flatterten, musste ich meine Idee komplett umwerfen. Zum Glück! Denn dadurch kam mir erst die Idee, denselben Fall anhand zweier Formate zu vergleichen und meinen Qualitätsstern zu entwickeln.“
Bis jetzt findet Lea es schade, dass sie mit den Machern der erwähnten Podcasts nicht reden konnte – außer mit Mattis Kießig (ARD Crime Time) -, denn sie hätte gerne deren Meinung zu ihren Ergebnissen gehört. „Aber am Ende bin ich froh, dass alles so gekommen ist, wie es eben gekommen ist.“
Übrigens: Seit ihrer Bachelorarbeit hat Lea kein True-Crime-Format jeglicher Art mehr konsumiert. „Das ist vermutlich diese berüchtigte ,Berufs-Krankheit’, weil ich mich zu viel mit dem Thema beschäftigt habe. Aber böse bin ich darüber nicht, denn ich schlafe tatsächlich besser.“