Klimakampf an der Küste – Fridays for Future in Wilhelmshaven

Von Lara Müller und Mia Reimnitz

aus dem Modul Journalistische Grundlagen 2

Eine Gruppe von jungen Aktivisten bei einer Fridays for Future Demo.
Die jungen Aktivisten bei einer Fridays for Future Demo/ Foto: Moritz Jung

Fridays for Future kämpft in Wilhelmshaven an einem symbolträchtigen Ort – zwischen Kohlekraftwerk und Küstenidylle. Junge Aktivist*innen wie Jonas Evers fordern konsequenten Klimaschutz und echte Veränderungen in der Energiepolitik. Doch wie viel Einfluss hat eine kleine Gruppe in einer Stadt voller Widersprüche?

Freitagmorgens am Hafen Wilhelmshavens sind Schüler*innen und Aktivist*innen vor Ort. Man spürt die norddeutsche Luft, der Wind weht durch die Haare, Möven kreisen am Himmel und die Sonne scheint. Mit selbstbemalten Schildern, Plakaten oder auch Bannern mit klaren Botschaften laufen die Aktivisten durch ganz Wilhelmshaven. Mit erhobener Stimme und ihren Slogans machen sie auf sich aufmerksam, Passanten zeigen ihre Unterstützung. Wilhelmshaven, bekannt für seine Küstenlandschaft und als bedeutender Marinestandort, spürt bereits die Auswirkungen des Klimawandels. Gegen diese Auswirkungen und für eine lebenswerte Zukunft in Wilhelmshaven und der Umgebung möchte die Fridays-for-Future-Bewegung etwas tun.

Die Fridays-for-Future-Ortsgruppe Wilhelmshaven engagiert sich seit mehreren Jahren für Klimagerechtigkeit und eine nachhaltige Energiepolitik. Die Mitglieder organisieren regelmäßig Demonstrationen, Schulprojekte und öffentliche Aktionen. Im Fokus stehen lokale Themen wie das noch aktive Kohlekraftwerk, das LNG-Terminal sowie geplante Gasbohrungen nahe Borkum. Unterstützt wird sie durch Spenden, NGOs und lokale Kooperationen.

Jonas Evers steht auf der Bühne und hält eine Rede, bei der Muttertags Aktion.
Jonas Evers bei der Muttertags Aktion 2025/ Foto: Moritz Jung
Jonas Evers hält eine Rede bei der Fridays for Future Demo am 20.09.2024
Jonas Evers hält eine Rede bei der Fridays for Future Demo am 20.09.2024/ Foto: Moritz Jung

Einer der Aktivisten ist Jonas Evers. Jonas’ Weg in die Klimabewegung begann nicht direkt bei Fridays for Future. Es war eine Fahrradtour mit der Initiative Friesland Zero in Jever, die erstmals sein Interesse für Umweltthemen weckte. Während seines Geologie-Studiums in Hamburg kam er dann mit Students for Future in Kontakt und tauchte tiefer in das Thema Klimagerechtigkeit ein. Zurück in seiner Heimat Jever stieß er auf eine neue Ortsgruppe von Fridays for Future und fand schließlich Anschluss an die aktive Gruppe in Wilhelmshaven. Dort engagiert er sich seither für eine nachhaltige und gerechte Zukunft. 

Heute ist Jonas Teil einer basisdemokratisch organisierten Gruppe von rund zehn aktiven Mitgliedern. Entscheidungen trifft das Plenum, und jede Stimme zählt. Pressearbeit, Social Media, Demonstrationsplanung – all diese Aufgaben werden gemeinschaftlich gestemmt. „Uns ist wichtig, dass neue Mitglieder leicht einsteigen können“, sagt er.

Wilhelmshaven sei ein spannender Standort, wenn es um die Energiepolitik geht, betont Jonas. Noch immer steht hier ein aktives Kohlekraftwerk, daneben entstehen neue Energieprojekte, etwa das LNG-Terminal für Flüssiggas-Importe aus Norwegen, Katar oder den USA. Das Zitat: „Drill, baby, drill“ von Donald Trump veranschauliche die Einstellung zu diesen Projekten, so Jonas. Die Bewegung beobachtet diese Entwicklungen kritisch, ebenso wie die geplanten Gasbohrungen nahe der Insel Borkum, direkt am Rand des Wattenmeers. Der Schutz mariner Ökosysteme steht dabei ebenso im Fokus wie die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit.

Rege Beteiligung bei der Fridays For Future Demo von 20.09.2024.
Rege Beteiligung bei der Fridays For Future Demo von 20.09.2024/ Foto: Moritz Jung

Die Fridays-for-Future-Gruppe ist sichtbar: auf der Straße, in Schulen, bei lokalen Initiativen. Sie ist gut vernetzt mit der CSD-Organisation, der Umwelthilfe oder dem Naturschutzbund. Sie hält außerdem Vorträge, organisiert Projekttage und führt Gespräche mit politischen Entscheidungsträger*innen.

Rückschläge gehören dazu. „Nach manchen Aktionen bleibt Hoffnung, aber auch Wut“, sagt Jonas. „Manchmal hilft es Eis zu essen“, fügt er mit einem Lächeln hinzu. Die Arroganz vieler Entscheidungsträger*innen sei frustrierend, aber auch Antrieb, weiterzumachen.

In den sozialen Medien, die für Fridays for Future eine zentrale Rolle spielen, trifft er neben Mitstreitenden auch auf Gegenwind. „Ohne Social Media gäbe es die Bewegung nicht in dieser Form, aber auch die AfD nutzt TikTok gezielt, das muss man kritisch sehen.“

Mit Blick auf die Zukunft ist Jonas dennoch zuversichtlich. Nach ruhigeren Phasen habe sich die Gruppe neu organisiert und ihre Strukturen gestärkt. Geplant sind ein globaler Klimastreik im September, ein Klimacamp auf Borkum und ein „Rave for Future“, der Protest und Musik verbindet. Fridays for Future bleibt laut, auch über das reine Klimathema hinaus. „Wir haben zuletzt auch Demos gegen Rechts mitorganisiert“, erzählt Jonas.

Und was müsste passieren, damit Jonas aufhören könnte zu streiken? „Wenn die Klimaziele ernsthaft eingehalten werden“, sagt er. Was er sich von der Gesellschaft wünscht? „Weniger Ablenkung durch Nebendebatten wie das Heizungsgesetz. Stattdessen mehr Systemkritik und mehr Aufmerksamkeit für die wahren Verursacher, die Fossil-Konzerne und Superreiche.“

Dieser Beitrag ist im Sommersemester 2025 im Rahmen des Moduls Journalistische Grundlagen 2 entstanden. Die Rechercheergebnisse entsprechen demnach diesem Stand. Die Studierenden haben in dieser Lehrveranstaltung weitere Beiträge zu Nichtregierungsorganisationen (NGO) in Wilhelmshaven und der Region produziert, die wir hier nach und nach veröffentlichen.