Zwischen Leidenschaft, Stress und Spontanität – Katharina Guleikoffs Weg durch den Journalismus

Von Sharia Raeder    I   3 Min. Lesezeit

Katharina Guleikoff arbeitet heute als Radiomoderatorin, Podcasterin und freie Journalistin. Die 45-Jährige ist die Stimme der Morningshow von Radio Bremen Eins. Viele Bremer:innen begleitet sie mit ihrem Kollegen Jens-Uwe Krause immer wieder in den Tag. Ihr Tag beginnt gefühlt mitten in der Nacht. Doch sie liebt es. Immer noch.

Alumni-Porträt von Katharina Guleikoff (Radio Bremen) im Studio zum Jubiläum 25 Jahre Medienwirtschaft & Journalismus an der Jade Hochschule.
Katharina Guleikoff (Bild: privat)

Katharina Guleikoff

Aktuell bei: Radio Bremen Eins (Morningshow)
Tätigkeitsfeld: Hörfunk und Podcast
Frühe Anfänge: Campus Radio „Campus Life“ und Radio Jade
Fokus: Mit allen Sinnen nah am Menschen sein

Der Einstieg aber in den Journalismus verlief alles andere als klassisch geplant, vielmehr ergab sich vieles aus dem Tun heraus. Bereits während ihres Medienwirtschaft- und Journalismus-Studiums an der Jade Hochschule sammelte sie erste Erfahrungen durch die Gründung des Campus Radios „Campus Life“ und ihre Mitarbeit bei Radio Jade, wo sie schließlich nach dem Studium übernommen wurde.  „Es war ein fließender Übergang, plötzlich war ich im Job drin“, erinnert sie sich. Sie erzählt von Live-Sendungen aus Freibädern, vom Schreiben der Diplomarbeit zwischen Frühmoderationen und CvD-Diensten und von einem Einstieg, der intensiv, aber genau richtig war. Kathi ist ein Paradebeispiel dafür, dass viele Wege im Journalismus nicht gradlinig verlaufen. Oft entstehen sie genau dort, wo man Dinge ausprobiert.

Radio zwischen Leidenschaft und Realität

Für Kathi war ganz früh klar, dass Journalismus genau das Richtige für sie ist. Besonders das Radio hat sie während des Studiums lieben gelernt, nicht zuletzt wegen der diversen kreativen Möglichkeiten. Was sie bis heute am meisten reizt, ist der direkte Kontakt mit Menschen.

„Das Schönste ist, Geschichten zu finden und mit Menschen zu sprechen.“

Gerade als Reporterin „draußen“ zu arbeiten, sei für sie die authentischste Form des Journalismus. „Mit allen Sinnen Geschichten erzählen“, nennt sie das. Und genau darin liegt für sie der Kern des Journalismus.

Obwohl Katharina seit rund 20 Jahren im Radio arbeitet, ist ihre Begeisterung nach wie vor deutlich spürbar. Besonders, wenn sie von dem erzählt, was hinter dem Mikro passiert: Geschichten entdecken, Menschen begegnen, Atmosphären einfangen. Spannend auch ihr ehrlicher Blick auf den Beruf. Ungeschönt und realistisch erzählt sie, wie der Radioalltag wirklich aussieht, inklusive Technikpannen, Stress und jeder Menge Improvisation.

Gerade im Hörfunk ist Kathis Arbeit abwechslungsreich, aber auch anspruchsvoll. Frühschichten, lange Arbeitstage und spontane Einsätze gehören dazu. Einen gewöhnlichen „Nine-to-Five-Alltag“ hat sie nie. „Es gibt Tage mit 14 Stunden, und Tage, an denen ich gar nichts mache“, beschreibt Kathi ihren heutigen Arbeitsrhythmus. Mit der Zeit habe sie aber gelernt, stärker auf ihre Work-Life-Balance zu achten. Das sei ein Aspekt, der gerade in kreativen Berufen oft zu kurz kommt.

Karriere, Verantwortung und Medienwandel

Im Laufe ihrer Karriere hat Kathi nicht nur berichtet und moderiert, sondern auch Teams geführt und Nachwuchs ausgebildet. Gerade diese Mischung aus Kreativität und Verantwortung zieht sich durch ihren Werdegang. Spannend, wie offen sie über ihre Karriere spricht. Nicht im Sinne von „Höher, schneller, weiter“, sondern eher mit der Frage: Was macht langfristig zufrieden?

„Ich habe gelernt, dass es wichtiger ist, glücklich zu sein als Karriere zu machen."

In dem zweistündigen Austausch, der sich längst nicht mehr wie ein Interview anfühlt, ging es auch um die großen Veränderungen in der Medienbranche. KI, digitale Medien und neue Audioformate. „Die größte Frage wird sein: Was ist überhaupt noch echt?“ Durch KI-generierte Inhalte werde es zunehmend schwieriger, Wahrheit von Fake News zu unterscheiden. Umso wichtiger werde verlässlicher, transparenter Journalismus. Auch im Radio wird der Einfluss von KI immer spürbarer, zum Beispiel bei automatisierten Wetter- oder Verkehrsmeldungen, erzählt Kathi. Dennoch sieht sie eine klare Chance für menschliche Inhalte. „Radio muss persönlicher werden. Das kann KI nicht ersetzen.“ Dieser Gedanke hat sich durch viele ihrer Antworten gezogen: Technologie verändert viel, aber Persönlichkeit, Haltung und echte Gespräche bleiben unersetzbar.

Ein Ausblick für den journalistischen Nachwuchs

Das Interview ist für mich eine Erinnerung daran, warum viele überhaupt in den Journalismus gehen wollen: wegen der Geschichten, der Neugier und den vielen besonderen Begegnungen. Besonders motivierend ist ihr Rat an junge Journalist:innen: „Habt Bock, wollt lernen und denkt nicht, ihr könnt schon alles.“ Vielleicht beschreibt das auch am besten, worum es beim Einstieg in den Berufsalltag geht: offen bleiben, sich weiterentwickeln und trotzdem den Kern nicht verlieren. Denn egal ob Radio, Podcast oder Moderation: gute Geschichten beginnen noch immer mit Menschen, die neugierig bleiben und sie erzählen wollen.