Der weite Weg vom Industriekaufmann zur Videoproduktion im Profifußball

Von Louis Bünker   I  2 Min. Lesezeit

Michael Bieckmann leitet heute die Videoproduktion beim SC Paderborn 07, der gerade frisch in die 1. Fußball-Bundesliga aufgestiegen ist. Die verschiedenen Stationen seiner Laufbahn machen deutlich, dass eine Karriere im sportmedialen Bereich selten nach einem festen, vorgegebenen Muster verläuft. Nach dem Abitur und einer Ausbildung zum Industriekaufmann absolvierte er sein Studium an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven. Er ebnete sich den Weg zu seiner heutigen Position vor allem durch sein großes Engagement. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Studiengangs Medienwirtschaft und Journalismus blickt Michael Bieckmann auf eine Laufbahn zurück, bei der jede Herausforderung eine wichtige Lektion war.

Alumni-Porträt von Michael Bieckmann (SC Paderborn) mit Kamera anlässlich des 25-jährigen Studiengangs-Jubiläums.
Michael Bieckmann (Bild: privat)

Michael Bieckmann

Aktuell bei: SC Paderborn 07 (Leiter Videoproduktion)
Ausbildung: Industriekaufmann
Tätigkeitsfeld: Sportmediale Videoproduktion
Besonderheit: Quereinsteiger und WM-Live-Einsatz 2018

Die Praxis zeigte ihm schnell, wie intensiv diese Lektionen sein konnten, denn die erste große Hürde lag oft im hohen Druck der Live-Berichterstattung und den Arbeitszeiten. Besonders intensiv erlebte er dies während der Weltmeisterschaft 2018 im russischen Moskau, wo er für den Fanclub der deutschen Nationalmannschaft aus einem Fan-Camp berichtete. Weit weg von zu Hause, konfrontiert mit wenig Schlaf und einem Überfluss an Eindrücken. Dort erlebte er die harte journalistische Arbeit, als er nach langen Arbeitstagen die gesammelten Inhalte mitten in der Nacht aufbereiten musste.

Seine tiefe Begeisterung für die Sportberichterstattung hat eine lange Vorgeschichte, die eng mit seiner Heimatregion und mit Rot-Weiß Ahlen verknüpft ist. Bieckmann wuchs mit dem Klub auf, der von 2000 bis 2006 in der zweiten Bundesliga spielte. Genau dort beobachtete er auch die ersten sportlichen Schritte von Spielern, die später zu absoluten Fußballstars wurden.

„Marco Reus und Kevin Großkreutz haben beide in Ahlen gespielt. Sie kamen aus der Jugend von Dortmund, wurden dort aussortiert, sind nach Ahlen gegangen und haben von dort aus den Sprung in die Profimannschaft geschafft.”

Diese Leidenschaft trägt er bis heute in jede Sekunde seiner täglichen Arbeit. Wenn er an einem Spieltag des SC Paderborn mit der Kamera direkt hinter dem Tor steht, ist die Kulisse schlichtweg atemberaubend. Obwohl diese gewaltige Stimmung und die gegnerischen Fans ihm tiefen Respekt abverlangen, schafft er es, alles um sich herum komplett auszublenden und sich auf die Arbeit zu konzentrieren.

„Du stehst dann ja wirklich direkt hinterm Tor und stehst dann ja auch vor der heimischen Kurve. Da hat man halt schon auch ein bisschen Respekt.“

Eine aktuelle Herausforderung ist zudem der Umgang mit neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz. Nach vereinzelten Experimenten mit KI-Grafiken im Social-Media-Bereich gab es durchaus negative Reaktionen von den Fans. Dessen ungeachtet sieht Bieckmann in der Technologie keine Gefährdung für seinen Beruf. Er ist überzeugt, dass in der Foto- und Videografie am Ende das persönliche Verhältnis zählt, das kein Algorithmus ersetzen kann.

Bieckmanns nächstes sportliches Ziel ist klar definiert. Er möchte die Zukunft des SC Paderborn in der in der ersten Bundesliga miterleben. Dieses Kapitel fehlt ihm in seiner Laufbahn. Er hat großes Interesse daran, die Atmosphäre und die neuen Eindrücke in den Erstliga-Stadien mit der Kamera einzufangen und die dortigen Strukturen der Medienarbeit kennenzulernen. Den arbeitsintensiven Weg dorthin nimmt er dafür gerne in Kauf.