„Wir sind wichtig, aber wir retten kein Leben“

Von Jette Blecker    I  2 Min. Lesezeit

Schon als Kind hat Jan Niestegge FIFA-Spiele kommentiert. „Irgendwie war dann für mich schon klar, ich möchte eigentlich in den Sportjournalismus.“ Jetzt ist er in einem der NDR-Regionalstudios in Niedersachsen. Hier macht er zwar nicht nur Sport, aber er kann sich als Fernsehreporter ausleben. Und oft live auf Sendung sein. Kindheitstraum: check!

Alumni-Porträt von Jan Niestegge (NDR) mit Mikrofon für das Jubiläum 25 Jahre Medienwirtschaft & Journalismus an der Jade Hochschule.
Jan Niestegge (Bild: privat)

Jan Niestegge 

Aktuell bei: NDR-Regionalstudio Osnabrück
Kindheitstraum: Sportjournalist und FIFA-Kommentator
Anfänge: mazzTV und Radio RST
Tätigkeitsfeld: Live-Berichterstattung und Regionalfernsehen

Die ersten Schritte im Journalismus

Bereits während seines Abiturs hat er beim Lokalfernsehsender „mazzTV“ gearbeitet, um neben seinem Volontariat und dann später auch als Redakteur beim „Radio RST“ erste journalistische Erfahrungen zu sammeln. Durch den Bachelor-Studiengang „Medienwirtschaft und Journalismus“ mit anschließendem Master hat er das Praxissemester beim TV-Sender Eurosport gemacht. Eine tolle Zeit – so nah am Sport. Aber erst einmal wollte Jan noch mehr Erfahrungen sammeln.

Zwischen Live-Schalte und Regionalberichterstattung

Deshalb liebt er, dass im NDR-Studio sein Tag immer anders aussieht. Viel Aktuelles, bunte Live-Schalten, und zudem berichtet er crossmedial. Meist für „Hallo Niedersachsen“. Die überregionalen Beiträge gehen aber auch in die gesamte ARD raus. Stressige Phasen bleiben da nicht aus. Mit der richtigen Bewegung und Atemübungen als Ausgleich, aber auch einem ganz bestimmten Mindset, versucht Jan, allem Druck und allen Anforderungen gut standzuhalten.

Druck aushalten und die Perspektive bewahren

„Wir machen immer ganz tolle Sachen, es macht Spaß und ist auch wirklich aufregend, aber wir retten in dem Sinne kein Leben.“ Sich also nicht zu wichtig nehmen, auch wenn es Fernsehen ist. Sein Anspruch bleibt aber immer der Gleiche: sein Bestes zu geben.

KI als Herausforderung und Chance

Vor welchen Herausforderungen steht der 34-Jährige jetzt gerade in Osnabrück? Vielleicht ist es die KI. Jan sieht in dem, was da kommt, aber eher die Chancen:

„Wenn man sich dem nicht stellt, dann überrollt es einen womöglich.“

Es sei wichtig, sich auf das Positive im Ungewissen zu fokussieren, um neue Möglichkeiten nicht zu verpassen. „Aber natürlich ist KI etwas, was uns noch lange begleiten wird, und wir wissen ja auch noch gar nicht, wo die Reise hingeht. Deshalb denke ich zumindest, dass man da sehr offen sein muss und sich nicht verstecken darf.“

Warum der Mensch unersetzlich bleibt

Ein Aspekt wird aber immer bleiben: Das Menscheln beim Interview. „Ein Gefühl füreinander entwickeln. Ich glaube, das ist das, was KI einem – Stand jetzt – nicht geben oder übernehmen kann.“ Jan steht für einen Journalismus, der nahbar, real und greifbar sein soll.

Der Traum vom Sportjournalismus lebt weiter

Auf seine weiteren Pläne angesprochen kommt der Kindheitstraum nochmal hervor: „Ich möchte gerne irgendwann nochmal zurück in den Sport, das möchte ich schon noch mal ausprobieren. Ich könnte mir auch vorstellen, nochmal so richtig zu moderieren.“ Das mit dem Fernsehen kann er ja nun schon. Aber – jetzt erst mal ist er im Hier und Heute und will das Bisherige genießen: „Müssen wir mal schauen, was so die Zukunft bringt, ich bin da ganz entspannt.“

Ratschläge für den journalistischen Nachwuchs

Für die Nachwuchsgeneration hat er folgende Worte parat:

„Wenn man sich in den Journalismus begibt, dann darf man sich auch selbst ein bisschen Zeit geben.“

Zeit, um zu schauen: Was mag ich eigentlich? Und was mag ich überhaupt nicht? Jan betont, wie wichtig kleine Schritte dabei sind, um das eigene große Ziel zu erreichen. Und wenn man das noch gar nicht vor Augen hat, sei Ausprobieren wichtiger als auf der Stelle stehen. Auch mal aus der Komfortzone treten und gegen den inneren Schweinehund ankämpfen oder das kleinere Gehalt und die doofen Kollegen in Kauf nehmen, wenn das Gefühl überragt. „Weil Widerstände kommen, das ist nicht nur im Journalismus so. Ich glaube, das ist allgemein so.“