Von Mila Berens I 4 Min. Lesezeit
Menschen informieren und ihnen im Alltag Unterstützung bieten, das ist der Traum von Valeria D’Alessio, seit sie 18 ist. Damals steckt sie noch in der Ausbildung zur Bankkauffrau in Ludwigsburg. „Und das habe ich auch beendet, aber ich habe ziemlich schnell gemerkt, dass es nicht so mein Ding ist. Und irgendwie war vor allem Radio und Fernsehen schon immer in meinem Kopf.“ Direkt nach der Ausbildung beginnt sie ein Praktikum bei BigFM und Radio Energy. Doch nicht nur vom Radio ist sie fasziniert, sondern auch das redaktionelle Arbeiten und das Fernsehen reizt sie. „Ich wusste, ich will irgendwie auch noch die anderen Seiten kennenlernen“, erinnert sich Valeria.
Valeria D’Alessio
Das war der Start für ihren neuen Lebensabschnitt. Für ihren Traum holt sie das Abitur nach und zieht von Stuttgart nach Wilhelmshaven, um Medienwirtschaft und Journalismus zu studieren. Während des Studiums weiß sie ziemlich schnell, wo sie ihr Praxissemester absolvieren will: Der SWR reizt sie nicht nur, weil sie aus Süddeutschland kommt, sondern auch, weil es ein riesiges Medienhaus mit vielen Möglichkeiten sei, erklärt sie. Nach ihrem Praktikum ist sie so begeistert, dass ihr der SWR nicht mehr aus dem Kopf geht. Und es klappt: Direkt nach dem Studium kehrt sie für ein 18-monatiges Volontariat dorthin zurück. In dieser Zeit durchläuft sie verschiedene Redaktionen, nimmt an Workshops teil und sammelt wertvolle Erfahrungen. Dabei wird ihr klar: Ihre Leidenschaft gilt vor allem dem Fernsehen. Ihr Volontariat führt sie unter anderem nach Berlin zur Wahlstation sowie zum ZDF-Morgenmagazin. Besonders gefällt ihr aber die Arbeit bei der Sendung Marktcheck, dem Verbrauchermagazin für den Südwesten.
Hier wird ihr deutlich, wie viel Einfluss Journalismus tatsächlich haben kann. Durch ihre Beiträge konnten Betrugsmaschen aufgedeckt, Verbraucher:innen geschützt und in manchen Fällen sogar verlorenes Geld zurückgeholt werden. Genau das fasziniert sie an ihrer Arbeit. Sie informiert nicht nur, sondern verbessert ganz konkret den Alltag von Menschen. Deshalb entscheidet sie sich, auch nach ihrem Volontariat dort weiterzuarbeiten. Sie möchte eine Stimme für diejenigen sein, die oft nicht gehört werden. Denn immer wieder wenden sich Menschen mit ihren Problemen an Redaktionen und genau darin liegt für sie der Kern ihrer Arbeit: hinsehen, nachfragen und Themen sichtbar machen. „Man merkt, dass man wirklich helfen kann, allein dadurch, dass man darüber berichtet“, sagt sie. Ihr Anspruch ist es, komplexe Inhalte verständlich und kompakt aufzubereiten, sodass es jeder versteht.
„Journalismus ist etwas richtig Mächtiges. Man sieht, wie viel er bewegen kann.“
Valeria D'Alessio
Genau das ist einer der Gründe, der sie dazu bewogen hat, sich für das Verbraucherschutzmagazin zu entscheiden. Von der Hörfunkarbeit kann sie sich aber nicht ganz trennen. Ihre Fernsehbeiträge bereitet sie zusätzlich fürs Radio auf, um die Inhalte noch mehr Menschen zugänglich zu machen.
Auch gefällt Valeria am Journalismus, dass man bei der Arbeit Einblicke bekommt, die man so sonst niemals bekommen würde. Gespräche mit Expert:innen, Ärzt:innen oder Politiker:innen gehören für sie zum Alltag. „Als Journalist:in weiß man immer als Erstes Bescheid und erfährt jeden Tag Neues. Genau diese Abwechslung macht den Job so spannend“, sagt sie. Besonders schön findet sie, die persönlichen Geschichten der vielen verschiedenen Menschen zu hören und sich mit facettenreichen Themen zu befassen, mit denen man sich im Alltag nicht beschäftigen würde.
Mit der Begeisterung für ihren Beruf geht für Valeria aber auch eine klare Verantwortung einher. Gerade in Zeiten, in denen das Vertrauen in Medien sinkt, hält sie sorgfältige Recherche für entscheidend. Quellen müssten „doppelt und dreifach geprüft“ werden, betont sie. Man sollte mit so vielen Experten und Expertinnen sprechen, wie es geht, auch, wenn es „nur“ um Verbraucherthemen geht. Auch ist es wichtig, sich die Zeit zu nehmen, richtig zu recherchieren und die Inhalte wirklich selbst zu verstehen. „Es ist wichtig, dass man dazu stehen kann, was man berichtet“, sagt sie. Journalismus dürfe nicht nur darauf abzielen, gut anzukommen, sondern müsse aus Überzeugung entstehen. Auch Offenheit für unterschiedliche Perspektiven und Meinungen sei wichtig.
Eine der größten Herausforderungen sieht sie darin, dass die Medien das Vertrauen der Menschen nicht verlieren. Dafür müssten Redaktionen zukünftig noch transparenter arbeiten. Gleichzeitig werde es immer schwieriger, vor allem junge Menschen zu erreichen. Klassische Fernsehsendungen verlieren zunehmend an Publikum, während sich Inhalte stärker in Richtung Social Media verlagern. Redaktionen müssten sich deshalb anpassen, schneller arbeiten und neue Wege gehen, auch wenn interne Strukturen das nicht immer leicht machen. Sie findet, es sollten viel mehr Möglichkeiten für Zuschauende geschaffen werden, selber Fragen zu stellen und Einblicke in die Arbeit zu bekommen.
Das Thema künstliche Intelligenz sieht sie hingegen nicht ausschließlich kritisch:
„Viele haben Angst vor der künstlichen Intelligenz, weil sie sich so rasant entwickelt und man fast gar nicht hinterherkommt. Dennoch sollte man die Entwicklung nicht zu negativ betrachten, weil es ein wichtiges Tool für Journalisten ist und Unterstützung bieten kann.“
Valeria D'Alessio
Studierenden rät sie, neugierig zu bleiben und möglichst viel auszuprobieren, selbst dann, wenn Studierende glauben, schon ihren Bereich gefunden zu haben. Ein breites Wissen und vielseitige Erfahrungen seien heute wichtiger denn je, auch weil es immer schwieriger wird, einen Job zu finden.
Offenheit für Veränderungen, Lernbereitschaft und Begeisterung für den Beruf seien entscheidend, um langfristig erfolgreich zu sein. Trotz aller Herausforderungen bleibt für sie eines zentral:
„Auch wenn es mal stressig wird, sollte man sich bewusst machen, was für ein privilegierter Beruf es ist, den wir ausüben, und welche Chancen und Möglichkeiten er bietet.“
Valeria D'Alessio