Journalismus auf eigenen Wegen – abseits der klassischen Redaktionen

Von Louis Bünker    I  2 Min. Lesezeit

Simon Gruninger behandelt heute auf seinen Social-Media-Kanälen die spannendsten Themen rund um Architektur und Design. Was ihn dorthin gebracht hat, hat wenig mit klassischem Redaktionsalltag zu tun und viel mit Leidenschaft, Eigeninitiative und dem Mut, sich selbst vor der Kamera zu zeigen.

Alumni-Porträt von Simon Gruninger (Cato) im Gespräch über seine Karriere beim Jubiläum 25 Jahre Medienwirtschaft & Journalismus.
Simon Gruninger (Bild: privat)

Simon Gruninger

Aktuell bei: Selbstständig
Tätigkeitsfeld: Creator und Video-Journalismus
Themen: Architektur, Design und Großbaustellen
Haltung: Mut zur Eigenmarke statt Umweg über die Redaktion

Geprägt von viel Fleiß begann bereits ein Jahr vor dem Ende des Studiums der langsame Aufbau der eigenen Plattformen. Aus anfänglichen Kurzvideos wurden schnell aufwendig recherchierte Reportagen, die sich intensiv mit den architektonischen Entwicklungen und Großbaustellen deutscher Metropolen beschäftigten.

„Ich hatte schon quasi die Perspektive: Hey, bewerbe ich mich jetzt irgendwo oder mache ich meine Kanäle weiter? Und ich habe mich einfach für meine Kanäle entschieden.“

Die Wende seiner Laufbahn kam mit der Erkenntnis, dass seine Reichweite groß genug ist, um davon leben zu können. Zum ersten Mal hatte er das Gefühl, journalistisch wirklich frei arbeiten zu können. Heute ist der Zweifel, ober nicht doch eine Festanstellung braucht, verblasst. Simon behandelt vor allem gerne Themen, die den Aufbruch in der Architektur zeigen, wie Mega-Projekte in München, Berlin oder Frankfurt. Simon widmet sich bewusst solchen Nischenthemen. Diese bieten ihm eine Art „Safe Space“ im Journalismus, da er hier gestalterisch und inhaltlich völlig frei von den Zwängen der alltäglichen Redaktionen arbeiten kann.

„Am Ende habe ich bestimmt zwei, drei, vier Stunden Material, aber nur 20 Minuten Zeit, das in ein YouTube-Video zu packen. Davor war noch alles spaßig, davor war so ein Viertel Arbeit, und dann geht es halt in den Schnitt und in das Texten.“

Den größten Entwicklungsschritt machte er durch die aktive Präsenz in seinen Videos. Eventuelle Bedenken wegen möglicher Anfeindungen stellten sich rasch als unbegründet heraus, da der persönliche Bezug ihm überhaupt erst den Zugang zu exklusiven Drehorten ermöglichte. Nahbar zu bleiben und aktiv den Kontakt zu suchen, prägte seinen Arbeitsstil.

„Die Chancen, die ich heute habe, habe ich nicht durch gute Noten oder gute Bewerbungen bekommen, sondern weil ich einfach mutig war und mich gezeigt habe.“

Das Thema Glaubwürdigkeit beschäftigt ihn als Content Creator besonders im Zeitalter von KI. Er sieht die Flut an anonymen Videos kritisch und setzt bewusst auf seine Person als glaubwürdigen Absender verlässlicher Informationen. Man dürfe bei Misserfolgen die Schuld nicht nur beim Algorithmus suchen, sondern müsse stets an der eigenen Qualität arbeiten.

„Man darf die Schuld nicht so beim Algorithmus suchen, sondern eigentlich immer eher bei sich. Man selbst wird auch besser, und wenn man selbst besser wird, dann merkt man das auch in den Videos.“

Was er Studierenden im sechsten Semester seines alten Studiengangs rät? Mutig sein, sich ausprobieren und vor allem am Ball bleiben. Sich ein eigenes Bild machen und die Zeit vor dem 30. Lebensjahr nutzen, um die eigenen Interessen in den Mittelpunkt zu stellen, das ist für Simon das Wichtigste.

„Heute bin ich an dem Punkt, wo ich weiß, das ist das Richtige für mich. Aber der Weg dahin war ein Prozess des Ausprobierens.“