„Es wird viel über junge Menschen geredet, aber zu wenig mit ihnen“

Von Jan Warns

aus dem Modul Fachjournalismus

Marcel Hans (23) kandidiert für das Bürgermeisteramt in Bockhorn (Friesland)

Mit nur 23 Jahren kandidiert Marcel Hans in Bockhorn für das Bürgermeisteramt. Der ehemalige Vorsitzende des Jugendparlaments Frieslands hat bereits alles erlebt, was einen jungen Menschen auf dem Weg in die Lokalpolitik begleitet. Doch wie steht es um die Beteiligung junger Menschen innerhalb der Politik in Friesland? Welche Chancen gibt es und was macht den Landkreis Friesland besonders?

Herr Hans, Sie kandidieren mit 23 Jahren für das Bürgermeisteramt in Bockhorn. Wie erleben Sie aktuell die politische Lage vor Ort?

Wenn man über Kommunalpolitik redet, hat man grundsätzlich in jeder Kommune erst mal eine essentielle Herausforderung, nämlich die Unterfinanzierung, ganz klar auch bei uns in Bockhorn. Abgesehen davon würde ich sagen, dass die politische Lage in Bockhorn relativ ruhig ist. Dennoch spielt die Kommunalentwicklung immer eine Rolle. Ein Thema sind dabei zum Beispiel erneuerbare Energien.

Ein Thema, das auch die Jugend zunehmend beschäftigt. Welche Rolle spielen junge Menschen aktuell in der Lokalpolitik?

Ich glaube, es ist ähnlich zum Bundestrend: Gar keine. Es wird viel über junge Leute geredet, aber zu wenig mit ihnen. Ich glaube, das ist ein Problem, was man in der gesamten Politik aktuell sehen kann.

Woran liegt das?

Das liegt daran, dass Politik sehr geprägt ist von alten Menschen und auch die Wählergruppen sehr alt sind. Daher wird sich sehr auf deren Interessen fokussiert. Das gilt sowohl für die Lokal- als auch für die Bundespolitik.

Marcel Hans (23) kandidiert für das Bürgermeisteramt in Bockhorn (Friesland) I Instagram

Mit nur 23 Jahren kandidiert Marcel Hans in Bockhorn für das Bürgermeisteramt. Der ehemalige Vorsitzende des Jugendparlaments Frieslands hat bereits alles erlebt, was einen jungen Menschen auf dem Weg in die Lokalpolitik begleitet. Wir haben ihn in unserem Interview gefragt, wie es um die Beteiligung junger Menschen innerhalb der Politik in Friesland steht, welche Chancen es gibt und was den Landkreis Friesland besonders macht. 

Herr Hans, Sie kandidieren mit 23 Jahren für das Bürgermeisteramt in Bockhorn. Wie erleben Sie aktuell die politische Lage vor Ort?

Wenn man über Kommunalpolitik redet, hat man grundsätzlich in jeder Kommune erst mal eine essentielle Herausforderung, nämlich die Unterfinanzierung, ganz klar auch bei uns in Bockhorn. Abgesehen davon würde ich sagen, dass die politische Lage in Bockhorn relativ ruhig ist. Dennoch spielt die Kommunalentwicklung immer eine Rolle. Ein Thema sind dabei zum Beispiel erneuerbare Energien.

Ein Thema, das auch die Jugend zunehmend beschäftigt. Welche Rolle spielen junge Menschen aktuell in der Lokalpolitik?

Ich glaube, es ist ähnlich zum Bundestrend: Gar keine. Es wird viel über junge Leute geredet, aber zu wenig mit ihnen. Ich glaube, das ist ein Problem, was man in der gesamten Politik aktuell sehen kann.

Woran liegt das?

Das liegt daran, dass Politik sehr geprägt ist von alten Menschen und auch die Wählergruppen sehr alt sind. Daher wird sich sehr auf deren Interessen fokussiert. Das gilt sowohl für die Lokal- als auch für die Bundespolitik.

„Es wird viel über junge Menschen geredet, aber zu wenig mit ihnen. Ich glaube, das ist ein Problem, was man in der gesamten Politik aktuell sehen kann.“

Gilt das auch für den Landkreis Friesland?

Grundsätzlich ja, aber trotzdem funktioniert die Jugendbeteiligung bei uns in Friesland tatsächlich besser als in vielen anderen Regionen, besonders im bundesweiten Vergleich.

Woran machen Sie das fest?

Durch Institutionen wie unser Jugendparlament in Friesland, welches zum Beispiel ein eigenes Budget von 50.000 € im Jahr besitzt und auch eine beratende Position in Fachausschüssen im Kreistag hat.

Was bedeutet das konkret für die politische Mitbestimmung junger Menschen?

Das Jugendparlament in Friesland hat einen Sitz in jedem Fachausschuss. Das sind keine Sitze mit Stimmrecht, aber es sind beratende Mitglieder mit Antrags- und Rederecht. Sie können sich demnach aktiv am politischen Diskurs beteiligen.

Hat das Jugendparlament tatsächlich Einfluss auf politische Entscheidungen?

Ja, absolut. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist das Schülerticket, das 2021 eingeführt worden ist. Das ist tatsächlich etwas, was durch das erste Jugendparlament angestoßen wurde und was dafür sorgt, dass alle Schülerinnen und Schüler in Friesland kostenlos die Busse nutzen können, auch außerhalb der Schulzeiten.

„[...] aber trotzdem funktioniert die Jugendbeteiligung bei uns in Friesland tatsächlich besser als in vielen anderen Regionen, besonders im bundesweiten Vergleich.“

Trotzdem kandidierten zuletzt nur sechs Jugendliche für das Jugendparlament. Woran liegt das?

Es ist einfach unglaublich schwierig, ein Jugendparlament interessant genug zu verkaufen. Politik ist für viele sehr abstrakt. Ich glaube, das liegt so ein bisschen daran, dass es Kommunalpolitik ist. Das wirkt sehr trocken und langweilig. Von daher haben viele junge Leute erstmal keine Motivation dazu. Trotzdem muss ich sagen, dass, auch wenn nur sechs Kandidaten da sind, es das aktivste Jugendparlament ist, was ich bisher mitbekommen habe.

Welche Themen sind jungen Menschen in Friesland besonders wichtig?

Beispielhaft sind da Themen wie öffentliche Räume sowie günstiger und guter öffentlicher Nahverkehr. Das sind so Themen, die dauerhaft präsent sind.

Können sie dabei genug Einfluss nehmen?

Definitiv. Ich glaube, dass junge Menschen die Möglichkeit haben, ein „Agenda Setting“ zu betreiben. Das bedeutet, dass junge Menschen Themen auf die Tagesordnung bringen können, die sonst gar nicht besprochen würden.

„Ich glaube, dass junge Menschen die Möglichkeit haben, ein „Agenda Setting“ zu betreiben [...]. Das bedeutet, dass junge Menschen Themen auf die Tagesordnung bringen können, die sonst gar nicht besprochen würden.“

Werden junge Perspektiven, abgesehen davon, in der Politik ausreichend berücksichtigt?

Nein. Ich finde, dass die Perspektive junger Menschen zwar gehört wird, aber nur bei Themen, die unmittelbar junge Menschen betreffen. Dabei ist es aber ja gerade bei jungen Menschen so, dass sie theoretisch jedes Thema betrifft, weil sie länger leben und am Ende von allem irgendwie die Folgen tragen müssen, wie zum Beispiel in der Klimapolitik. Das ist, glaube ich, ein Problem sowohl in der Lokalpolitik als auch in der Bundespolitik.

Welche Folgen hat es, wenn diese Perspektiven nicht berücksichtigt werden?

Ich glaube, eine der größten Folgen davon, junge Menschen nicht ausreichend zu involvieren, ist ihr Vertrauen in die Politik zu verlieren. Und das sorgt wiederum dafür, dass junge Menschen eben sehr empfänglich für politische Akteure wie zum Beispiel die AfD werden, welche genau solche Unsicherheiten oder dieses Gefühl von „Nicht-gehört-werden“ gezielt ansprechen und daraus dann eben ihren Erfolg ziehen können.

Was hindert junge Menschen daran, sich stärker einzubringen?

Ich denke einfach, dass das eine der größten Hürden ist, dass man einfach in einen Bereich kommt, wo man weiß, dass man die Minderheit ist. Man landet in einem Umfeld , das von älteren Männern dominiert wird. Das schreckt ab, auch wenn die meisten Kommunalpolitiker sich über junge Menschen sehr freuen.

Das Barcamp in Dangast zur politischen Diskussion I Quelle: NWZ

Gibt es außerhalb der klassischen politischen Weges andere Mittel, um Einfluss zu nehmen?

Also, eine sehr niedrigschwellige Art zu partizipieren sind tatsächlich die Jugendzentren. Die Jugendzentren bieten Jugendlichen eine Möglichkeit, Themen und Anliegen zu präsentieren, indem sie diese an die Jugendpfleger herantragen. Die Jugendpfleger sind wiederum alle Angestellte der Verwaltungen und bringen die Themen dann in die Politik ein. Abgesehen davon gibt es das Barcamp. Das ist zum Beispiel ein Format, das wir uns damals im Jugendparlament ausgedacht haben.

Was genau beschreibt das Barcamp?

Das ist ein Event, das einmal im Jahr stattfindet; im Optimalfall am Strand in Dangast. Das ist eine Veranstaltung, wo es ein Bühnenprogramm gibt, wo es aber auch Thementische zu allen möglichen Themen wie z.B. Integration. Dort sind nicht nur Jugendliche, sondern auch Repräsentanten von Vereinen, aber auch Politiker. Und das bietet dann die Möglichkeit, die Schwelle zwischen Jugendlichen und Politikern zu nehmen, um einen direkten Austausch zu ermöglichen.

Wie sehen Sie die Zukunft der jungen Lokalpolitik in Friesland?

Ich glaube, dass wir jetzt gerade an einem Punkt sind, wo die Möglichkeit zu einer positiven Gesamtentwicklung besteht. Das ist nicht zuletzt darin begründet, dass wir konkret hier, und das ist vielleicht auch ein Phänomen für Friesland, viele junge Leute haben, die sich aktiv beteiligen und die auch bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Das Barcamp in Dangast zur politischen Diskussion I Quelle: NWZ

Gibt es außerhalb der klassischen politischen Weges andere Mittel, um Einfluss zu nehmen?

Also, eine sehr niedrigschwellige Art zu partizipieren sind tatsächlich die Jugendzentren. Die Jugendzentren bieten Jugendlichen eine Möglichkeit, Themen und Anliegen zu präsentieren, indem sie diese an die Jugendpfleger herantragen. Die Jugendpfleger sind wiederum alle Angestellte der Verwaltungen und bringen die Themen dann in die Politik ein. Abgesehen davon gibt es das Barcamp. Das ist zum Beispiel ein Format, das wir uns damals im Jugendparlament ausgedacht haben.

Was genau passiert beim Barcamp?

Das ist ein Event, das einmal im Jahr stattfindet; im Optimalfall am Strand in Dangast. Das ist eine Veranstaltung, wo es ein Bühnenprogramm gibt, wo es aber auch Thementische zu allen möglichen Themen wie z.B. Integration. Dort sind nicht nur Jugendliche, sondern auch Repräsentanten von Vereinen, aber auch Politiker. Und das bietet dann die Möglichkeit, die Schwelle zwischen Jugendlichen und Politikern zu nehmen, um einen direkten Austausch zu ermöglichen.

Wie sehen Sie die Zukunft der jungen Lokalpolitik in Friesland?

Ich glaube, dass wir jetzt gerade an einem Punkt sind, wo die Möglichkeit zu einer positiven Gesamtentwicklung besteht. Das ist nicht zuletzt darin begründet, dass wir konkret hier, und das ist vielleicht auch ein Phänomen für Friesland, viele junge Leute haben, die sich aktiv beteiligen und die auch bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Marcel Hans will ins Rathaus, doch wie steht es um seine Chancen? Mehr über die Hürden junger Menschen und die politische Praxis in Friesland erfahren Sie hier.