Journalismus im Wandel

Ein Blick hinter die Kulissen der Deutschen Welle in Brüssel

Von Sina Eisenschmidt

aus dem Master-Modul Internationales Projekt

Die Sonne scheint durch die großen Fenster im fünften Stock des ARD-Studios in Brüssel. In diesem Büro liegt das Studio der Deutschen Welle, dem Auslandsrundfunk Deutschlands.

Wir haben einen Blick auf die ganze Stadt und befinden uns inmitten des politischen Zentrums der EU. Ein passender Ort für eine Redaktion, die täglich auf die Welt schaut und ihr Informationen und Kontexte journalistisch aufbereitet. Von Deutschland über Europa, Asien und Afrika bis nach Lateinamerika. Mit Themen wie Gesundheit, Menschenrechte, Klima, Migration und Innovation machte es sich die Deutsche Welle zur Aufgabe, Deutschland als kulturell gewachsene Nation demokratischen Rechtsstaat international zu präsentieren.

Das ARD-Studio in Brüssel (Bild: Deutsche Welle)
Das ARD-Studio in Brüssel (Bild: Deutsche Welle)

Die Sonne scheint durch die großen Fenster im fünften Stock des ARD-Studios in Brüssel. In diesem Büro liegt das Studio der Deutschen Welle, des Auslandsrundfunks Deutschlands.

Wir haben einen Blick auf die ganze Stadt und befinden uns inmitten des politischen Zentrums der EU. Ein passender Ort für eine Redaktion, die täglich auf die Welt schaut und ihr Informationen und Kontexte journalistisch aufbereitet. Von Deutschland über Europa, Asien und Afrika bis nach Lateinamerika. Mit Themen wie Gesundheit, Menschenrechte, Klima, Migration und Innovation machte es sich die Deutsche Welle zur Aufgabe, Deutschland als kulturell gewachsene Nation demokratischen Rechtsstaat international zu präsentieren.

Das ARD-Studio in Brüssel (Bild: Deutsche Welle)
Das ARD-Studio in Brüssel (Bild: Deutsche Welle)

Die langjährige Korrespondentin und Studioleiterin Alexandra von Nahmen erwartet uns bereits. Nach unserem Termin geht es für sie direkt weiter in die Türkei zum Treffen der NATO-Außenminister. Sie berichtet live vor Ort.

Seit 2020 leitet von Nahmen das Studio in Brüssel. Außenpolitischen Themen, EU-Gipfel, diplomatische Entwicklungen und internationale Berichterstattung prägen ihren Alltag in der Redaktion. „Unsere Aufgabe ist es, komplexe Themen verständlich zu erklären – aus einer europäischen Perspektive, aber für ein weltweites Publikum.“

Alexandra, so dürfen wir sie nennen, nimmt sich Zeit für uns, führt uns durch das Studio und beantwortet unsere Fragen.

Die Rolle der Deutschen Welle mit Standort in Brüssel

Die Deutsche Welle (DW) ist vielen in Deutschland weniger vertraut – und doch ist sie eines der wichtigsten Medienhäuser des Landes. Als Teil der ARD-Familie und öffentlich-rechtlicher Auslandssender richtet sie sich nicht an ein deutsches, sondern an ein internationales Publikum. Laut DW erreicht das Programm weltweit knapp 320 Millionen Menschen pro Woche in mehr als 30 Sprachen. Finanziert wird es durch Mittel des Bundes, aber mit journalistischer Unabhängigkeit. „Wir sind kein Sprachrohr der Regierung”, betont Alexandra. „Wir sind definiert als die Visitenkarte Deutschlands, wir berichten unabhängig, aber auch kritisch.”

Die Mission: verlässliche Informationen dorthin bringen, wo Meinungsfreiheit eingeschränkt ist. Oder wie Alexandra es ausdrückt: „Wenn in Deutschland etwas Relevantes passiert, dann soll der Reflex in Afrika oder Asien sein: „Wir schauen Deutsche Welle, um zu verstehen, was das bedeutet.“

Dass sich ein Studio der Deutschen Welle ausgerechnet in Brüssel befindet, ist kein Zufall. „Wir sind hier, weil Europa so wichtig ist. Und weil sich hier europäische Politik konkret entfaltet“, sagt Studioleiterin Alexandra. Brüssel ist das Zentrum europäischer Entscheidungsprozesse und damit ein Knotenpunkt für internationale Berichterstattung. Für die Deutsche Welle, die weltweit sendet und europäische Perspektiven vermittelt, ist die Nähe zu EU-Institutionen, internationalen Konferenzen und diplomatischen Schauplätzen essenziell: „Menschen in Asien oder Afrika wollen wissen, wie Europa denkt. Dafür sind wir hier.“

„Die Branche verändert sich und mit ihr der Journalismus und seine Kanäle“

Die Mediennutzung verändert sich rasant – und die DW verändert sich mit. Klassisches lineares Fernsehen spielt kaum noch eine Rolle – die Aufmerksamkeit wandert dorthin, wo das Publikum ist. „Deshalb passen wir unsere Strukturen an“, erklärt Alexandra. Die Devise: Digital First. „Nur so bleiben wir sichtbar und relevant“.

Laut dem Reuters Institute Digital News Report 2023 ist Social Media für viele junge Menschen die wichtigste Nachrichtenquelle. 78 % der 18- bis 24-Jährigen nutzen Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube für Nachrichten. Die Deutsche Welle selbst betreibt deshalb mehrere Social-Media-Kanäle. Einer davon ist @dwnews auf Instagram mit rund 962.000 Follower:innen (Stand: 20.06.2025).

Bei der Deutschen Welle ist vieles auch eine Frage der Ressourcen. „Wir haben nicht so viel Geld wie andere öffentlich-rechtliche Sender. Deshalb müssen wir uns gut überlegen, wo wir Schwerpunkte setzen, wo wir investieren und welche Kanäle wir wirklich bedienen können“. Das Interesse daran, „was so in Deutschland los ist“, sei deutlich spürbar. Nicht nur, wenn wie erst kürzlich eine neue Regierung gewählt wird.

Einer der Instagram-Accounts der Deutschen Welle (Bild: @dwnews)
Einer der Instagram-Accounts der Deutschen Welle (Bild: @dwnews)

Die Mediennutzung verändert sich rasant – und die DW verändert sich mit. Klassisches lineares Fernsehen spielt kaum noch eine Rolle – die Aufmerksamkeit wandert dorthin, wo das Publikum ist. „Deshalb passen wir unsere Strukturen an“, erklärt Alexandra. Die Devise: Digital First. „Nur so bleiben wir sichtbar und relevant.“

Laut dem Reuters Institute Digital News Report 2023 ist Social Media für viele junge Menschen die wichtigste Nachrichtenquelle. 78 % der 18- bis 24-Jährigen nutzen Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube für Nachrichten. Die Deutsche Welle selbst betreibt deshalb mehrere Social-Media-Kanäle. Einer davon ist @dwnews auf Instagram mit rund 962.000 Follower:innen (Stand: 20.06.2025).

Bei der Deutschen Welle ist vieles auch eine Frage der Ressourcen. „Wir haben nicht so viel Geld wie andere öffentlich-rechtliche Sender. Deshalb müssen wir uns gut überlegen, wo wir Schwerpunkte setzen, wo wir investieren und welche Kanäle wir wirklich bedienen können.“ Das Interesse daran, „was so in Deutschland los ist“, sei deutlich spürbar. Nicht nur, wenn wie erst kürzlich eine neue Regierung gewählt wird.

Einer der Instagram-Accounts der Deutschen Welle (Bild: @dwnews)
Einer der Instagram-Accounts der Deutschen Welle (Bild: @dwnews)

Themen aus Deutschland, der EU und den USA stünden im Fokus, insbesondere in ihrer außenpolitischen Bedeutung: „Da wollen wir auch so ein bisschen erklären, welche Themen eine Rolle spielen, zum Beispiel wofür jetzt die neue Bundesregierung steht.“ Solche Inhalte in verständliche und visuell ansprechende Formate zu bringen, erfordert journalistische Kreativität und strategisches Gespür. Insbesondere dann, wenn die Aufmerksamkeitsspanne kurz ist. „Man muss eigentlich total wichtige, komplexe Themen irgendwie in 60-Sekunden-Videos packen, weil es sonst nicht ganz angeschaut wird.“

Polarisierende Headlines, um Ausfmerksamkeit zu generieren. Dies spielt auch im redaktionellen Alltag der DW eine zunehmende Rolle für visuell ansprechende Formate. All das ist sehr wichtig, dennoch glaubt Alexandra nach wie vor, „dass wir als öffentlich-rechtliches Unternehmen eben bestimmte Grundsätze haben, die wir nicht über Bord werfen“.

Die Deutsche Welle setzt klare inhaltliche Schwerpunkte: Menschenrechte, Frauenrechte, Gleichberechtigung, Demokratie. „Das sind unsere Themen, die wir wirklich nach vorne pushen.“ Natürlich dürfe eine Headline trotzdem gut klingen. Auch das Verändern von Headlines, um zu testen, wie sie beim Publikum ankommen, gehört dazu. Denn:  „Wenn du nicht gefunden wirst, wird niemand dein Stück sehen. Auch nicht mit tollen Protagonisten oder herzzerreißenden Geschichten.“

Dass diese Entwicklung kritisch beäugt wird, ist auch Alexandra klar: Die Branche sei im Umbruch, das stoße auch auf Kritik. Doch,„wenn wir junge Menschen erreichen wollen, müssen wir da sein, wo sie ihre Nachrichten herbekommen, und das ist zum Teil nun mal über Social Media“.

Zwischen persönlichem Austausch, Hate Speech und Fake News

Mit Fokus auf soziale Media spielt der Austausch mit den Nutzerinnen und Nutzern eine zentrale Rolle. „Wir wollen mit unserer Community ins Gespräch kommen“, betont Alexandra. Die Kommentarspalten unter Beiträgen sind dabei nicht nur Feedback-Kanäle, sondern entwickeln oft eigene Diskurse. Genau darin liegt eine große Chance, gleichzeitig aber auch eine Herausforderung. Denn mit stärkerer Präsenz in sozialen Netzwerken wächst auch der Moderationsaufwand. „Es macht keinen Sinn, einen Kanal aufzumachen, wenn man nicht genug Leute für Community Management hat“, erklärt Alexandra.

Gemeint ist damit nicht nur das Beantworten von Fragen oder das Fördern von Debatten, sondern vor allem die Moderation von problematischen Inhalten.

Alexandra von Nahmen (Bild: Instagram @alexandravonnahmen)
Alexandra von Nahmen (Bild: Instagram @alexandravonnahmen)

Mit Fokus auf soziale Media spielt der Austausch mit den Nutzerinnen und Nutzern eine zentrale Rolle. „Wir wollen mit unserer Community ins Gespräch kommen“, betont Alexandra. Die Kommentarspalten unter Beiträgen sind dabei nicht nur Feedback-Kanäle, sondern entwickeln oft eigene Diskurse. Genau darin liegt eine große Chance, gleichzeitig aber auch eine Herausforderung. Denn mit stärkerer Präsenz in sozialen Netzwerken wächst auch der Moderationsaufwand. „Es macht keinen Sinn, einen Kanal aufzumachen, wenn man nicht genug Leute für Community Management hat“, erklärt Alexandra.

Gemeint ist damit nicht nur das Beantworten von Fragen oder das Fördern von Debatten, sondern vor allem die Moderation von problematischen Inhalten.

Alexandra von Nahmen (Bild: Instagram @alexandravonnahmen)
Alexandra von Nahmen (Bild: Instagram @alexandravonnahmen)

Hass im Netz, persönliche Angriffe und Anfeindungen sind längst Teil des digitalen Alltags. Laut dem European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF) geben über 70 % der Journalist:innen in Europa an, schon einmal online bedroht oder beschimpft worden zu sein. Besonders häufig Frauen und Minderheiten. Auch für Journalistinnen und Journalisten der DW. Wer auf sozialen Plattformen unterwegs ist, wird sichtbar. Und angreifbar. „Wenn man mit Gesicht und Namen vor laufenden Kameras für Inhalte steht, wird es oft persönlich“, erzählt Alexandra. Trotzdem halten sie am Austausch fest. Der direkte Draht zum Publikum, so heißt es, sei wichtiger denn je. Ein Spagat zwischen qualitativer Berichterstattung, persönlichem Austausch und dem Schutz der Journalist:innen vor Hass im Netz. Ein öffentlicher Sender wie die Deutsche Welle steht dabei besonders in der Pflicht, einen Raum für respektvolle Diskussion zu schaffen – und zugleich klare Grenzen zu ziehen, wo es notwendig ist.

Künstliche Intelligenz: Fluch oder Segen für den Journalismus?

Auch Künstliche Intelligenz spielt in der Redaktion eine zunehmende Rolle. Doch wie lässt sich KI in die Arbeit von Journalist:innen einbringen, ohne sie zu ersetzen? Die DW nutzt KI-Tools etwa für die Transkription von Interviews oder für erste Textentwürfe. Doch der menschliche Blick bleibt unersetzbar. „Wir dürfen die kreative und journalistische Kontrolle nicht abgeben“, sagt Alexandra. „KI kann unterstützen, aber sie darf nie die Quelle sein.“ Mit der zunehmenden Nutzung künstlicher Intelligenz wächst auch die Gefahr von Deepfakes und gezielter Desinformation. Insbesondere im politischen Kontext. Inhalte von politisch aktiven Personen werden verfremdet, entstellt, ins Gegenteil verkehrt. Und das täuschend echt. Eine der größten Sorgen: Fake News. Inhalte, die wie echte Videos oder O-Töne wirken, aber vollständig durch künstliche Intelligenz erstellt sind. „Das wird eine riesige Herausforderung für den Journalismus der Zukunft.“ Laut dem European Parliament Research Service schaffen die sich wandelnde Medienlandschaft, zusammen mit der Dominanz von Visualisierung als Kommunikationsstrategie, ein förderliches Umfeld für Deepfakes. Vor allem dann, wenn Journalistinnen und Journalisten persönlich auftreten, ist die Gefahr der Veränderung besonders groß. „Gerade deshalb müssen wir transparent arbeiten und zeigen, woher unsere Inhalte kommen“, hebt Alexandra deutlich hervor.

Ein Blick in die Zukunft

Der Besuch im Brüsseler Studio der Deutschen Welle zeigt: Die Medienlandschaft ist im Wandel. Zwischen neuen Formaten, technologischen Umbrüchen und wachsenden Herausforderungen bleibt der Anspruch bestehen: Verlässliche Informationen für die Welt zu liefern. „Ich glaube fest an den Wert von gutem Journalismus“, sagt Alexandra zum Abschied. „Gerade in Zeiten von Krisen, Desinformation und Polarisierung. Unsere Aufgabe ist heute wichtiger denn je.“

Gruppenfoto im Studio der Deutschen Welle (Bild: Privat)
Gruppenfoto im Studio der Deutschen Welle (Bild: Privat)

Bitte beachten Sie: Der Artikel entstand im Mai 2025 und entspricht dem damaligen Stand der Faktenlage.