Kultur zwischen Popcorn und Projektor

Von Louisa Tapken und Verena Hartmann

aus dem Modul Journalistische Grundlagen 2

Das UCI-Kino ist für viele ein Ort der Unterhaltung, für andere ein wesentlicher Bestandteil der Kultur in Wilhelmshaven. Hinter Popcornmaschinen und Leinwänden steckt tägliche Arbeit in Organisation, Planung und Technik. Doch was macht Kino als Kulturort aus?

Kinosaal des UCI Kinos Wilhelmshaven
Kinosaal Foto: Louisa Tapken

Schon im Foyer liegt ein warmer, süßer Popcorngeruch in der Luft. Wer dem Duft folgt, landet in einem Raum, der für das Publikum verborgen bleibt. Maiskörner prasseln in die Maschine und vermischen sich mit Öl und Zucker oder Salz. Metall klappert und das Popcorn pufft auf, bis der Duft den gesamten Raum füllt.

Das heutige UCI-Kino in Wilhelmshaven wurde im Jahr 1999 unter dem Namen „Kinopolis“ eröffnet. Es ist Teil einer internationalen Kinokette, der Odeon Cinemas Group. Durch die zentrale Lage neben dem Bahnhof ist das Kino einfach zu erreichen. Für einen geregelten Ablauf sorgen 30 Mitarbeiter*innen. Mit insgesamt neun Kinosälen und rund 1700 Sitzplätzen wird das UCI auch als Multiplex-Kino bezeichnet. Seit 2001 ist Michael Kundy als Theaterleiter für den Standort Wilhelmshaven zuständig.

Kino als Kulturort

In Museen werden Objekte ausgestellt, in Theatern Stücke aufgeführt und im Kino Filme gezeigt. Der Kulturjournalist Stefan Lüddemann beschreibt Kultur als „Sinninstanz“ der Gesellschaft, die „Orientierung“ bietet. Um Kultur zu vermitteln, braucht es Kulturbetriebe. Dem Kulturwissenschaftler Werner Heinrichs zufolge bilden sie den „institutionellen Rahmen“ zur „Produktion und Vermittlung“. Dazu gehören Kinosäle, Technik, Personal und Organisation. Erst dadurch wird die Kultur für die Besucher*innen erlebbar.

Digital und eigenfinanziert

„Viele denken, ein Kino zeigt einfach nur Filme.“, so Michael Kundy. Doch bevor eine Filmvorstellung startet, wird im Hintergrund viel vorbereitet. Seit Frühjahr 2012 laufen die Projektionen in Wilhelmshaven komplett digital. Die Filme werden per Festplatte, Satellit oder Datenleitung angeliefert. Damit der Film abgespielt werden kann, muss der Filmverleih einen Freischaltcode schicken. „Ohne diesen Schlüssel können wir den Film nicht zeigen“, sagt Michael Kundy. Der Saal 5 hat einen 4K-Laserprojektor und in vier weiteren Sälen kann auch 3D gezeigt werden. Beim Ton setzt das UCI-Kino auf Dolby 7.1.

Anders als viele Kultureinrichtungen finanziert sich das Kino selbst. Ein Großteil der Einnahmen besteht aus dem Verkauf von Popcorn, Getränken und der Tickets. Dabei geht ein Teil der Ticketeinnahmen als Filmmiete an den Verleih.

Kino Projektor aufgebaut
Technik Foto: Louisa Tapken

Kino als Ort der Begegnung

Für Michael Kundy ist die Atmosphäre entscheidend. Das Kino soll ein Raum sein, in dem sich Menschen wohlfühlen und gerne Zeit verbringen. „Ein Kinofilm wirkt schon ganz anders auf der Leinwand im Kino als auf dem Fernseher“, sagt er. Auch UCI-Besucher Herr de Vries beschreibt das Kino als „ein Ort, auf den man sich freut, um gemeinsam mit Familie oder Freunden einen neuen Film zu genießen“. Zudem möchte Michael Kundy alle Altersgruppen ansprechen und Generationen zusammenbringen. Dies zeigt sich auch im Programm des Kinos.

Das UCI-Kino bietet verschiedene Angebote, die die Kultur fördern. Neben den Jugendfilmtagen und den sozial-psychiatrischen Filmtagen zeigt das UCI-Kino Liveübertragungen von Opern und Ballettstücken aus London. Ergänzt wird das Angebot durch den Saal „Apollo“, indem anspruchsvolle Filme wie „Franz K.“ oder „Stiller“ laufen. Dieser wird regelmäßig mit dem niedersächsischen Kinoprogrammpreis ausgezeichnet. Das UCI-Kino verbindet damit Unterhaltung und Kultur.

Auch die Stadt Wilhelmshaven findet, dass das Kino „ein Ort mit besonderer Atmosphäre ist, der den Besuch zu einem Erlebnis macht“. Für sie ist das Kino eindeutig Teil des Kulturangebots in Wilhelmshaven. Dabei verweist die Stadt auf die lange Kinogeschichte in Wilhelmshaven, die die Menschen damals und heute verbindet.

Wenn im Kinosaal das Licht ausgeht, bleibt die Arbeit hinter den Kulissen unsichtbar. Doch genau dort entscheidet sich, ob ein Kino mehr ist als ein Ort für Filme. Für Michael Kundy ist klar, dass das UCI-Kino in Wilhelmshaven auch künftig die Kultur der Stadt prägt und ein Ort der Begegnung bleibt.

Eine Popkornmaschine in einem verfliesten Raum des Kinos
Popkornmaschine Foto: Louisa Tapken