Hinter den Mauern des Pumpwerks: Zwischen Alltag, Kultur und Zukunftsfragen

Von Charlotte Tönjes und Talea Schmidt

aus dem Modul Journalistische Grundlagen 2

Historisches Backsteingebäude des Pumpwerks mit hohen Sprossenfenstern und markanter Industriearchitektur. Foto: Talea Schmidt
Historisches Backsteingebäude des Pumpwerks mit hohen Sprossenfenstern und markanter Industriearchitektur. Foto: Talea Schmidt

Das Pumpwerk ist für viele nur ein Ort der Konzerte oder Partys, doch hinter den Kulissen stößt der Kulturbetrieb längst an seine Grenzen. Ein Blick in den Alltag des denkmalgeschützten Gebäudes zeigt, warum Sanierung und Anbau immer dringlicher werden. Offen bleibt, wie die Zukunft des Pumpwerks aussehen kann, wenn räumliche Grenzen, bauliche Mängel und öffentliche Erwartungen aufeinandertreffen.

Gebäude mit Geschichte

Der Nightliner rollt brummend auf den Hof des Pumpwerks. Müde Künstler strecken die Arme über den Kopf, Instrumentenkoffer werden routiniert ausgeladen. Nach Stunden im engen Bus ist der Wunsch nach einer Dusche selbstverständlich, doch im Haus gibt es nur eine einzige, dazu mit einem anfälligen Abfluss. Während sich der Auftritt nähert, öffnen sich die Türen. Drinnen sucht jemand schweißgetrieben nach einem Platz für Jacke und Tasche, eine feste Garderobe fehlt jedoch. Gleichzeitig irrt ein Gast auf der Suche nach der barrierefreien Toilette durch das Gebäude, die er erst nach einem Umweg, quer durch den Saal, findet.

Diese Szenen spielen sich in einem Gebäude ab, dem man seine Geschichte ansieht: Feuchtigkeit kriecht ins Mauerwerk, Putz blättert sichtbar ab, die Substanz braucht Aufmerksamkeit.

Vom Entwässerungswerk zum Kulturzentrum

„Ich glaube, wir brauchen mehr dieser lichten Momente, in denen man sich bewusst wird, was die Stadt einem zu bieten hat. Und für mich war und ist das Pumpwerk immer einer dieser Leuchttürme“, sagt Mirco Wenzel, langjähriger Mitarbeiter und Veranstaltungsleiter, der praktisch im Pumpwerk aufgewachsen ist. Wie es der Name vermuten lässt, war das Gebäude von 1903 bis 1975 ein Entwässerungswerk bis es 1976 als ältestes soziokulturelles Zentrum Niedersachsens öffnete. Heute bietet es Platz für bis zu 800 Besucher und prägt das kulturelle Leben Wilhelmshavens.

Rechtsradikalismus thematisieren und gleichzeitig die LTBTQIA+-Community zum Tanzen bringen – das Pumpwerk greift gesellschaftliche Themen auf und bringt unterschiedliche Zielgruppen zusammen. Rückläufig ist jedoch die Präsenz internationaler Vereine, ein gesamtgesellschaftlicher Trend. Während andere Kulturorte ihr Angebot spezialisieren, vereint das Pumpwerk Konzerte, Comedy, Kabarett, Vorträge und Feiern. Es ist kleiner als das Kling Klang, aber größer als das Stadttheater und positioniert sich somit im Mittelfeld des Kulturgefüges in Wilhelmshaven. 

Mirco Wenzel, Leiter des Pumpwerk-Teams, im Veranstaltungssaal des Pumpwerks. Foto: Talea Schmidt
Mirco Wenzel, Leiter des Pumpwerk-Teams, im Veranstaltungssaal des Pumpwerks. Foto: Talea Schmidt

Sanierung und Anbau unumgänglich

Anfang 2025 waren die Tickets für das Comedyprogramm von Sven Bensmann innerhalb weniger Wochen ausverkauft. Dennoch wurde Wilhelmshaven nicht in die nächste Tour aufgenommen. Der Grund: Das Pumpwerk ist für gewachsene Künstler inzwischen zu klein. Eine neue Stadthalle scheiterte jedoch 2024 am Bürgerentscheid und öffentlicher Kritik. „Wir brauchen keine zusätzlichen Glaspaläste“, erklärt der NABU Wilhelmshaven. Der geplante Anbau des Pumpwerks hingegeben ist kein Luxus, sondern ein Ausgleich funktionaler Defizite: fehlende Garderoben, unzureichende Barrierefreiheit, ein überlasteter Backstagebereich. Feuchtigkeit und bauliche Schäden machen zudem eine Sanierung unumgänglich.
 Finanziert werden soll der Anbau über den Strukturkohleförderungsfonds und die Sanierung über die Denkmalförderung. Dabei werden die Gesamtkosten auf rund 11 Millionen Euro geschätzt.

Blick ins Innere des historischen Pumpwerks: Massive grüne Pumpenmaschinen, Rohrleitungen und Ventile zeigen eindrucksvoll die industrielle Technik vergangener Zeiten. Foto: Talea Schmidt
Blick ins Innere des historischen Pumpwerks: Massive grüne Pumpenmaschinen, Rohrleitungen und Ventile zeigen eindrucksvoll die industrielle Technik vergangener Zeiten. Foto: Talea Schmidt

Aktuelle Herausforderungen und Ausblick

„Wir müssen uns die Zeit nehmen, die es braucht, um es gut zu machen“, sagt Wenzel. Konkrete Zeitpläne gibt es bislang nicht. Zunächst muss der tatsächliche Sanierungsbedarf, insbesondere der Zustand des Fundaments, geklärt werden, erklärt Wenzel. Zusätzlich verzögert ein Architektenwechsel den Prozess. Der NABU Wilhelmshaven betont beim Anbau darauf zu achten keine neuen Versiegelungen zu schaffen.

 

Abschließend zeigt sich: Das Pumpwerk wird auch in Zukunft weit mehr sein als nur eine Bühne für Konzerte und Partys. Hinter den Mauern kämpfen Alltagsorganisation, begrenzte Räumlichkeiten und der Erhalt des historischen Gebäudes miteinander. Können Sanierung und Anbau gelingen, ohne den Charakter des Hauses zu verlieren? Und wer entscheidet letztlich über die Zukunft dieses kulturellen Leuchtturms?