Von Jördis Weerda I 2 Min. Lesezeit
Der Einstieg in den Journalismus kam für die 28-jährige Lone Grotheer schneller als erwartet. Ihr Weg begann klassisch: Nach dem Bachelorabschluss folgte ein Masterstudium in Journalistik und Kommunikationswissenschaften in Hamburg. Doch bereits während des Studiums sammelte sie praktische Erfahrungen und fand früh Anschluss als Werkstudentin in der Social-Media-Redaktion beim Stern. Der Übergang vom Studium in den Beruf verlief fließend – bereits ein halbes Jahr vor der Abgabe ihrer Masterarbeit war sie Teil des Redaktionsteams. Heute arbeitet sie als Social-Media-Redakteurin beim Stern und bewegt sich täglich im Spannungsfeld zwischen klassischer Recherche und digitaler Aufmerksamkeit, das sich durch die unterschiedlichen Leser und Leserinnen ergibt.
Lone Grotheer
In ihrer Arbeit geht es längst nicht mehr nur um das Schreiben von Texten. Als Social-Media-Redakteurin ist sie dafür verantwortlich, Inhalte so aufzubereiten, dass sie auf Plattformen wie Instagram oder TikTok funktionieren. „Unsere Aufgabe ist es, die Themen der Redaktion so darzustellen, dass Menschen Lust haben, sie zu lesen oder anzuschauen.“ Dabei sieht sie sich nicht als Gegenpol zum klassischen Journalismus, sondern als dessen Erweiterung: „Was wir machen, ist nichts anderes als klassischer Journalismus, nur anders verpackt.“
Besonders interessieren sie gesellschaftspolitische und feministische Themen, aber auch kulturelle Fragestellungen, die zum Beispiel durch Filme, Theater und Serien repräsentiert werden. Unabhängig vom Themenfeld bleibt für sie ein Grundprinzip zentral: der kritische Blick.
„Egal ob Politik oder Kultur – wir sollten immer kritisch hinterfragen, was passiert.“
Lone Grotheer
Dass sich der Journalismus in den vergangenen Jahren stark verändert hat, spürt Lone deutlich. Vor allem die wachsende Bedeutung digitaler Plattformen habe vieles verschoben. „Online wird inzwischen viel ernster genommen als noch vor ein paar Jahren“, erklärt sie. Gleichzeitig wächst der Druck: Inhalte müssen schnell produziert werden, um im Wettbewerb um Aufmerksamkeit zu bestehen. Dennoch dürften grundlegende journalistische Standards nicht vernachlässigt werden.
„Lieber zwei Minuten später, aber dafür mit einer zweiten Quelle.“
Lone Grotheer
Diese Balance zwischen Tempo und Qualität gehört zu den größten Herausforderungen ihres Berufs. Hinzu kommt die zunehmende Orientierung an Klickzahlen und Algorithmen. „Man muss einen Spagat finden zwischen seriöser Berichterstattung und dem Versuch, die Leute zu catchen.“ Themen müssen nicht nur relevant, sondern auch „anklickbar“ sein – eine Entwicklung, die sie kritisch sieht, weil wichtige Inhalte dadurch manchmal in den Hintergrund geraten.
Auch neue Technologien wie künstliche Intelligenz spielen eine wachsende Rolle in ihrem Redaktionsalltag. Dabei gehe es weniger um vollständige Automatisierung als vielmehr um Unterstützung, etwa bei der Fehleranalyse von Texten. Gleichzeitig wirft der Einsatz von KI grundlegende ethische Fragen auf, die in der Branche intensiv diskutiert werden.
Neben strukturellen Herausforderungen sieht Lone auch ein gesellschaftliches Problem: das schwindende Verständnis für journalistische Arbeit. In Zeiten von Social Media wird oft nicht mehr ausreichend zwischen fundierter Recherche und schnellen Meinungsbeiträgen unterschieden. „Journalistische Recherche ist etwas anderes als ein schneller Post“, betont sie.
Trotz aller Schwierigkeiten bleibt ihre Haltung klar: Journalismus ist unverzichtbar. Gerade in einer digital geprägten Welt braucht es kritische Stimmen und sorgfältige Recherche.
In einer Medienwelt im ständigen Wandel zeigt Lone, dass guter Journalismus nicht an Formate gebunden ist – sondern an Haltung, Sorgfalt und den Mut, genauer hinzuschauen.