Zwischen Tribüne und Redaktionsschreibtisch

Von Paul Denker    I  3 Min. Lesezeit

Jana Glose ist Sportredakteurin bei der dpa in Düsseldorf. Dass sie dort gelandet ist, hatte viel mit Zufall zu tun und mit der Erkenntnis, dass man kein ehemaliger Leistungssportler sein muss, um über Sport zu berichten.

Alumni-Porträt von Jana Glose (dpa Sport) im Interview zum Jubiläum 25 Jahre Medienwirtschaft & Journalismus an der Jade Hochschule.
Jana Glose (Bild: privat)

Jana Glose 

Aktuell bei: Deutsche Presse-Agentur (dpa)
Ausbildung: Master Sportmedien (Köln)
Tätigkeitsfeld: Sportredakteurin (Schwerpunkt Fußball und Wintersport/Rudern)
Antrieb: Tempo, Fakten und die Liebe zum Sport

Alles begann mit ihrem Vater und dem Fernseher. Jana Glose, damals noch ein Kind, sitzt neben ihm und schaut Skispringen. Wintersport ist bis heute ihre ursprüngliche Liebe geblieben, auch wenn sie inzwischen alles verfolgt, von Leichtathletik bis Rudern.

An der Jade Hochschule, macht sie schließlich ihre ersten Schritte in Richtung Journalismus. Ein Studium, das sie bis heute vor allem für seine Vielseitigkeit schätzt.

Auf ihren Bachelor in Medienwirtschaft und Journalismus folgt ein Master in Sportmedien-und Kommunikationsforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln, parallel dazu arbeitet sie bereits in einem Nebenjob bei der Sportschau.

„Mein Studium war sehr praktisch orientiert. Das meiste, was man theoretisch gelernt hat, hat man irgendwo praktisch umgesetzt.“

Genauso wichtig wie das, was sie dort lernte, war aber für sie auch all das, was sie über sich selbst herausgefunden hat. Im Praxissemester beim ZDF merkt sie schnell, dass Fernsehbeiträge nicht ihr Ding sind. Beim Schreiben hingegen fühlt sie sich zu Hause.

„Ich finde es genauso wichtig, dass man irgendwann weiß, was man nicht will.“

Mitten im Auslandssemester sah sie die Ausschreibung der Deutschen Presse-Agentur und bewarb sich, mehr aus Neugier als mit einem festen Plan. Es folgte ein Volontariat und seit Januar 2025 arbeitet sie fest als Sportredakteurin in NRW. Besser hätte es nicht laufen können.

Heute ist Jana 28 Jahre alt und schreibt vor allem über Fußball. Primär betreut sie Bayer Leverkusen, aber auch Köln, Dortmund, Gladbach und die Zweite Liga fallen in ihren Aufgabenbereich. Pressekonferenzen, Transfers, Trainerentlassungen: all das gehört zu ihrem journalistischen Alltag. Dabei wollte sie ursprünglich genau das nicht.

„Ich habe eigentlich immer gesagt, ich möchte ganz gerne alles außer Fußball machen. Es gibt ja im Sport mehr als Fußball.“

Sie wusste aber auch: In NRW, mit jetzt sechs Bundesligisten und zwei Zweitligisten, ist das kaum zu vermeiden. Jana hat es in Kauf genommen und ist, wie sie selbst sagt, deutlich besser reingekommen, als sie dachte. Trotzdem nutzt sie jede Gelegenheit, um ihren Blick über den Fußball hinaus zu werfen. Seit dem letzten Jahr betreut sie vor allem Rudern, im Februar war sie bei den Paralympischen Spielen in Italien und im Sommer geht es zur Ruder-WM nach Amsterdam.

Der Alltag im Stadion ist Tempo pur. Während des Spiels wird mitgeschrieben, denn mit dem Schlusspfiff muss der Text stehen. Was passiert, wenn ein 2:1 in der 89. Minute noch zum 2:2 wird? Dann bleibt nicht viel Zeit für Feinschliff.

„Ich gehe manchmal von der Tribüne und denke: Hätte jetzt irgendwie schöner formuliert sein können. Aber bei uns geht es immer nach Tempo.“

Was nicht verhandelbar ist, sind die Fakten. Lieber 30 Sekunden länger nachschauen, als sich auf das Gedächtnis verlassen. Das sogenannte „Agenturprivileg“, wonach sich Kundinnen und Kunden blind auf jede dpa-Meldung verlassen können, ist für sie kein Slogan, sondern Arbeitsgrundlage.

Auch das Thema Künstliche Intelligenz lässt die Redaktion nicht aus. Überschriften und Teaser werden im System teilweise auf Knopfdruck generiert. Sie selbst nutzt zwischendurch auch ChatGPT. Doch schneller geht es dadurch nicht unbedingt.

„Manchmal brauche ich dadurch sogar länger, weil ich denke, das kann ja noch besser werden. Dabei macht die KI es auch nicht immer besser.”

Den Spielbericht, da ist sie sich sicher, wird die KI so bald nicht übernehmen. Dafür sei das Geschäft zu schnell, zu live, zu sehr im Moment. Ob sie selbst diesen Beruf für immer ausüben wird, lässt sie dagegen offen. Sieben von acht Wochenenden im Einsatz, viele Spätschichten, viele Randzeiten – das lässt sich irgendwann nicht mehr mit allem vereinbaren. Sollte einmal Familie dazukommen, kann Jana sich vorstellen, beruflich noch einmal etwas ganz anderes zu machen. Pressearbeit bei einem Skiverband zum Beispiel. Es wäre die Rückkehr zu ihren sportlichen Anfängen – vor dem Fernseher, an der Seite ihres Vaters.