Von Benedikt Schulte I 4 Min. Lesezeit
Dennis Remmers leitet heute den Twitch-Kanal der ARD und arbeitet für den NDR und SWR. Was ihn dorthin gebracht hat, hat wenig mit guten Noten zu tun – und viel mit Offenheit, Ausdauer und dem Mut, auch an sich selbst zu zweifeln.
Dennis Remmers
Die Anfänge
Die ersten Jahre nach dem Studium waren hart. Bei einer Produktionsfirma arbeitete er sich ab, für wenig Lohn, jedoch mit viel Unsicherheit im Gepäck. Das Zweifeln gehörte dazu.
„Ich habe oft gezweifelt, ob das das Richtige ist. Gerade in der Zeit, als ich bei der Produktionsfirma gearbeitet habe. Da war es sehr viel Arbeit für sehr wenig Geld.”
Dennis Remmers
Die Wende kam mit der Ausbildung und dem Master danach. Zum ersten Mal, erinnert er sich, hatte er das Gefühl, wirklich angekommen zu sein. Heute ist der Zweifel verblasst. Was geblieben ist, ist die Überzeugung, dass der Umweg sich gelohnt hat.
Der Weg bergauf
Remmers arbeitet heute im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und behandelt vor allem gerne Themen, die junge Zielgruppen ansprechen. Gaming, Battle-Rap, Kleinfeldfußball. Nischenstoffe die, wie er selbst sagt, riesige Themengebiete sind, jedoch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk bisher wenig Beachtung erhalten.
„Es gibt halt schon 15.000 Politikformate. Die Themen, mit denen ich mich befasse, das sind alles wichtige Themen, die nicht behandelt werden, die man alle journalistisch aufarbeiten kann.”
Das größte Projekt seiner bisherigen Karriere war „Game of Norddeutschland”, ein fast zweistündiges Format, bei dem Remmers erstmals Regie führte. Über 50 Personen am Set, fast ein Jahr Arbeit – und am Ende sein Name im Abspann. Das war für Dennis ein lebenslanger Traum, der in Erfüllung gegangen ist.
„Ich bin in der Zeit sicher auch locker fünf Jahre gealtert, aber dass man das doch irgendwie hinkriegt, egal wie groß die Aufgabe – das hat mir das Projekt bewiesen.”
Was ihn dorthin gebracht hat, sei nicht die Bewerbungsmappe gewesen, betont er. Remmers ist in einem Nicht-Akademiker-Haushalt aufgewachsen und glaubt, dass das seine Haltung geprägt hat. Wissen horten, Türen zuhalten – das hält er für den falschen Ansatz.
„Die Chancen, die ich heute habe, habe ich nicht durch gute Noten oder gute Bewerbungen bekommen, sondern weil ich immer offen auf Leute zugegangen bin.”
Dennis Remmers
Sein Blick auf Aktuelles
Das schwindende Vertrauen in Medien beschäftigt ihn als Medienschaffenden selbstverständlich. Er sieht Versäumnisse auf beiden Seiten: Medienhäuser, die Teile ihres Publikums jahrzehntelang nicht abgeholt haben, und eine Gesellschaft, die zunehmend in Schwarz und Weiß denkt und weniger bereit ist, sich mit Grautönen zu befassen. Medienkompetenz werde zwar seit 20 Jahren immer wieder betont, in der Praxis aber kaum gelehrt.
„Es ist auch ein Versäumnis in der Bildung. Es wird seit 20 Jahren von Medienkompetenz gesprochen, aber ein Zehn-Finger-Schreibkurs war da schon das Höchste der Gefühle.”
Was er Studierenden im sechsten Semester seines alten Studiengangs rät? Den Abschluss machen, aber nicht alles glauben, was andere über die Branche sagen – weder das Schlechtgerede noch die Glorifizierung. Sich ein eigenes Bild machen, offen bleiben, das ist für Dennis das Wichtigste.
„Heute bin ich an dem Punkt, wo ich weiß, das ist das Richtige für mich. Aber der Weg dahin war hart.”
Dennis Remmers
Dennis Remmers spricht in diesem Interview für sich als Privatperson, nicht als Redakteur des SWR oder NDR.